Zu Beginn der Woche rutschte der Goldpreis ab. Er verlor in der Spitze mehr als fünf Prozent – der grösste Tageseinbruch seit Juni 2013. Auslöser war die offizielle Bekanntgabe der Goldreserven des chinesischen Staates. Diese sind in den vergangenen sechs Jahren auf 1658 Tonnen um fast 60 Prozent gestiegen.

Der Zuwachs lag deutlich unter den Erwartungen des Marktes. Denn die Devisenreserven sind gleichzeitig schneller gestiegen. Der Goldanteil an den Devisenreserven lag vor sechs Jahren bei 1,9 Prozent und ist jetzt auf 1,7 Prozent gefallen.

Talfahrt gestoppt

Die Talfahrt ist nun aber gestoppt, der Goldpreis legte am Dienstag sogar leicht zu. Das ändert aber nichts daran, dass die Krisenwährung in der Krise ist. Fachleute nennen vor allem den immer stärkeren Dollar als Grund. Die US-Währung steht bei Anlegern hoch im Kurs, weil die amerikanische Notenbank auf eine erste Zinsanhebung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise zusteuert. Wann es soweit sein wird, ist zwar immer noch unklar. Die US-Geldpolitik soll in diesem Jahr aber gestrafft werden, das hat Notenbankchefin Janet Yellen schon mehrfach durchblicken lassen.

Steigende Zinsen machen Anlagen in den USA attraktiver. Das stärkt den Dollar – und schwächt im Gegenzug andere Währungen wie den Euro. Anleger aus Europa müssen deshalb immer mehr für Gold hinlegen. Darunter leiden die Nachfrage und auch der Preis für das Edelmetall.

Keine Zinsen auf Gold

Ein weiterer Grund belastet den Goldpreis: Mit steigenden Zinsen fällt ein grosser Nachteil der Goldanlage schwerer ins Gewicht. Denn Gold wirft – im Gegensatz zu vielen anderen Anlagen – keine Zinsen ab.

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«Steigende Zinsen in den USA bedeuten, dass Gold als alternative Anlageklasse unattraktiver wird, da sie keine laufenden Erträge abwirft», bringen es die Experten vom Bankhaus M.M. Warburg auf den Punkt. Zumal nicht nur die Zentralbanker aus der weltgrössten Volkswirtschaft USA, sondern auch ihre Kollegen aus Grossbritannien mit den Hufen scharren. Allgemein wird erwartet, dass die britische Notenbank ihre Zinsen nicht allzu lange nach der US-Zentralbank anheben wird.

Keine Inflation

Gold gilt aber nicht nur als Krisenwährung, sondern auch als Schutz vor einer hohen Geldentwertung. Viele Goldkäufer hatten darauf gesetzt, dass die extrem lockere Geldpolitik aller grossen Zentralbanken zu hohen Inflationsraten führen wird.

Doch davon ist weit und breit nichts zu sehen – im Gegenteil: In den Industrieländern kämpfen viele Zentralbanken – so auch die EZB – gegen eine zu schwache Teuerung.

Gold im Panik-Zyklus

Auch ein Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems, der von einigen Goldanhängern seit Jahren vorhergesagt wird, lässt auf sich warten. «Wer nicht Anhänger von Weltuntergangsszenarien ist, lässt zumindest unter Anlagegesichtspunkten aktuell die Finger vom Gold», raten die Volkswirte der Bank M.M. Warburg.

Investorenlegende Martin Armstrong, der sich mit seinen Crash-Prognosen einen Namen gemacht hat, spricht gegenüber der deutschen Zeitung «Die Welt» sogar von einem Panik-Zyklus, in den Gold geraten ist. Er rechnet damit, dass das Edelmetall schon bald unter die 1000-Dollar-Schwelle fallen wird, und prophezeit ausserdem einen weiteren Absturz auf 600 bis 700 Dollar.

(ise, mit awp-Material)