Die Gier ist zurück - daran liess die diesjährige Invest in Stuttgart, die grösste deutsche Anlegermesse, wenig Zweifel. «Wenn ich hier bei meiner Präsentation gesagt hätte, Aktien steigen noch 15% bis Jahresende, wäre mir das Publikum davon gelaufen» sagt ein Analyst, der als Gastredner auf dem Stand der Deutschen Bank über Anlagen in aufstrebenden Ländern referiert hatte. «Aber ich machte einfach eine Prognose von über 150% und so blieben die Zuschauer denn auch.»

ETF auf Swaps geben zu reden

Dazu passt, dass die derzeit grösste Belastung für die europäischen Börsen, der drohende Bankrott Griechenlands, geflissenttlich ausgeblendet wurde. Vom Drama am östlichen Mittelmeerstaat war an der Messe nichts zu spüren, obwohl etliche Redner an den Podiumsveranstaltungen betonten, diese Rettung werde noch viel teurer werden, als sie von den Regierungen innerhalb der EU jetzt versprochen wird.

Lieber wurde über die Chancen am Markt gesprochen, man beglückwünschte sich zur überstandenen Krise: Viele der grossen Derivate-Emittenten haben sich inzwischen zurückgemeldet. Aus der Schweiz zeigten in Stuttgart die UBS und Vontobel sowie die Swisscanto-Asset-Manager Flagge. Hier bevorzugt man indessen das diskrete Gespräch neben der Schokoladenfontäne wie bei Vontobel und weniger die laute Jahrmarktstimmung, welche die Stände der deutschen Player dominierte.

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Diese Sorte Stimmung fand sich insbesondere im hinteren Teil der Messehalle, wo sich an kleineren Ständen viele Rohstofffirmen präsentierten. Anbieter wie Zumtu Capital, Western Potash Corp. oder Malenica Research versuchten, als Einzelkämpfer Anleger zum Kauf der Aktien zu bewegen. Ein umfassenderes Angebot bot dagegen das Lager der «Goldschürfer» an, die von der Mine über die Verarbeiter, Münzpräger wie Geiger Edelmetalle bis hin zu eigens spezialisierten Börsenbriefen alles anbieten, was die Anleger heute suchen. Aber auch die grossen Derivate- und ETF-Anbieter spielten beim Thema Gold mit. Gefragt ist laut den Spezialisten der einschlägigen Anbieter alles, was (auch) mit physischem Gold unterlegt ist. ETF, die fondsähnlichen Anlagevehikel beispielsweise, mussten kaum laut für sich werben - das Publikum kam auch so, besonders wenn der Sicherheitsaspekt von Goldinvestments noch betont wurde.

Allerdings müssen gerade hier die Verkäufer immer mehr Fragen beantworten, die bisher vor allem für die Experten der Derivateanbieter gedacht waren. So können ETF anstelle der «richtigen» Basiswerte in begrenztem Ausmass auch Swaps verwenden und die hierfür zu hinterlegenden Wertpapiere brauchen als Gütesiegel lediglich «EBZ-fähig».

Griechische Staatsanleihen, die inzwischen bei weitem keine makellose Bonität mehr aufweisen, gehören hierzu. Niemand kann beantworten, was es für solche Swap-basierten ETF bedeuten würde, wenn Griechenland ausfällt. «Möglicherweise ist das dann aber die kleinste Sorge», tröstet einer der ETF-Experten.

Auf Barrikade wegen Barrieren

Aber auch für «gewöhnliche» Derivate gibt es reichlich Erklärungsbedarf. Podiumsdiskussionen beschäftigten sich auch mit Fragen rund um jene Papiere, bei denen die Barrieren gerissen waren. Produkte wie Multi-Asset-Discounter, Multi-Asset-Bonuszertifikate oder Reverse Convertibles weisen teilweise immer noch einen inneren Wert auf, der über dem Preis liegt, der von den Emittenten berechnet wurde.

Diese wiederum verweisen auf die komplexen Berechnungen, die für angemessene Vergleiche vorgenommen werden müssten.