Nicht selten erinnert der Performance-Wettstreit zwischen Large und Small Caps an ein Autorennen während der Boxenstopp-Phase: Häufige Führungswechsel haben mitunter wenig mit dem Ausgang des Rennens zu tun. So lagen zwischen März und September die Aktien kleiner Unternehmen weltweit und auch an der Schweizer Börse in Führung. Im Oktober kam der Führungswechsel: Die SMI-Blue-Chips outperformten die Small Caps um über 3%. Übers ganze Jahr betrachtet liegen die Small Caps mit einem Performance-Vorsprung von 10% aber nach wie vor komfortabel an der Spitze.

«Für viele Anleger hat der Markt bei zyklischen Titeln eskomptiert», sagt Sven Bucher, Leiter Aktienresearch bei der Zürcher Kantonalbank. Nach der Rally kamen die Gewinnmitnahmen bei den «Kleinen», was ihre Aktienkurse nach unten drückte und die hochkapitalisierten Firmen überholen liess. «Investoren sind verunsichert, solange der Wirtschaftsaufschwung nicht selbsttragend ist», sagt Bucher.

Large Caps sind im Kommen

Erhöhte Risiken und stagnierende Märkte, wie man sie in den letzten Wochen beobachtet hat, begünstigen Large Caps. In unsicheren Zeiten ziehen risikoscheue Anleger für gewöhnlich azyklische und eher defensive Aktien den Wachstumstiteln in den Small-Cap-Indices vor. Zudem seien viele Investoren der Meinung, sie hätten die Large Caps während der vergangenen Rally vernachlässigt, ihr Gewinnpotenzial nicht voll ausgeschöpft, fügt Bucher hinzu.

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Ähnlich sieht es Reto Hess, Analyst bei der Credit Suisse (CS). Mithilfe eines Modells teilt die Bank den Börsenverlauf in vier Phasen ein. «In der Erholungsphase laufen Small Caps für gewöhnlich besser als Large Caps», sagt Hess. Deshalb überrascht es nicht, dass von der im März begonnenen Erholung der Märkte vor allem Small-Cap-Indices und -Fonds profitiert haben.

Nach dem Modell der CS folgt auf die Erholung die Überhitzung. Wachstumstitel werden zu überhöhten Preisen gehandelt, sodass die Anleger, in Erwartung einer Korrektur, in die weniger volatilen Large Caps flüchten. Im Moment seien Zurich Financial Services ZFS oder Nestlé besonders interessant, meint Hess. Aber auch Pharma: Novartis wegen ihrer prall gefüllten Produktepipeline, Roche aufgrund ihrer führenden Stellung in der Krebsbekämpfung. Von beiden Firmen erwarten Analysten in den nächsten Monaten Wachstumsschübe.

Auch Holcim und Richemont stehen weit oben auf der Empfehlungsliste der Analysten. Dem Zementlieferanten dürfte vor allem der rasche Aufschwung in den Schwellenländern nutzen, schätzen Experten. Für den Hersteller von Luxusgütern sehen sie aufgrund der starken Positionierung besonders in Asien Wachstumschancen. Zudem verfüge Richemont über ziehende Marken.

«Im Abschwung, welcher der Überhitzung folgt, dominieren wiederum Large Caps», sagt Reto Hess. Ebenso die Kontraktionsphase, bevor die neuerliche Erholung einsetzt und die Small Caps erneut oben aufschwingen. «Die grösste Schwierigkeit für Anleger sehe ich darin, rechtzeitig zu erkennen, in welcher Phase sich der Markt gerade befindet», ergänzt der Analyst. Langfristige Anleger brauchen die Marktphasen wenig zu kümmern. Über einen ausgedehnten Anlagehorizont fahren sie mit Small Caps insgesamt besser. Denn aufgrund der schwankenden Liquidität der Märkte, fehlender Transparenz und Diversifikation seien die Kleinen riskanter als die Grossen, erklärt Hess. Anleger erwarten, dass sie für diese Risiken mit höheren Renditen entschädigt werden.

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Das Kleingedruckte zählt

Wenn Anleger Aktien für ihr Portefeuille auswählen, sollte die Unternehmensgrösse nicht die Hauptrolle spielen. Sven Bucher empfiehlt, sich die interessierenden Firmen genau anzuschauen: Sowohl ihre Bilanzen als auch ihre Produkte und Dienstleistungen. Investoren sollten sich von thematischen Schwerpunkten leiten lassen. Reto Hess ergänzt: «Ein gut diversifiziertes Portefeuille sollte Unternehmen aller Grössen umfassen.»