In diesen Tagen bringen Swisscom, Orange und Sunrise mit dem «Magic» das erste Handy mit dem von Google massgeblich unterstützten Betriebssystem Android auf den schweizerischen Markt. Das Gerät hat GPS, die üblichen schnellen Netzwerkzugänge und verschleiert durch die vorinstallierten Zugänge zu den Google-Diensten Gmail, Maps oder die Suchmaschine selber seine Herkunft nicht. Der Preis ohne Subventionen liegt bei 799 Fr., mit lang laufenden Abonnements dürfte er Richtung 100 Fr. gehen.

Ambitiöse Wachstumsziele

Hersteller ist HTC Corp., für das Publikum ein weitgehend unbekanntes Unternehmen. Bei Telekom-Experten hingegen ist HTC ein Begriff. Vor sechs Jahren brachte die Firma aus Taiwan die für Orange hergestellten Handys mit aufklappbarer Tatstatur und mit Microsoft-Mobile-Betriebssystem auf den Markt. Damals erreichte das Gerät gegen die als Benchmark geltenden Communicator-Modelle von Nokia einige Achtungserfolge. Inzwischen bilden Apple mit dem iPhone und Research-in-Motion mit den Blackberries die Referenzgrössen in Design und Leistung. Ob HTC mit dem Magic auch in finanzieller Hinsicht mit diesen beiden Vorzeigefirmen gleichziehen kann, ist eine andere Frage. Die Voraussetzungen dafür sind jedoch intakt. HTC soll laut Presseberichten in China das erste Handy mit dem Android-Betriebssystem auf den Markt bringen, und für die 2. Jahreshälfte ist in den USA der Verkaufsstart der Modelle mit den Codenamen Memphis, Diamond 2, Pro 2 und Snap geplant.

Das HTC-Management legte beim letzten Analystengespräch die Messlatte für den Umsatz (plus 20% gegenüber dem Vorquartal auf 38 Mrd taiwanesische Dollar) und die Marge (31% gegenüber 30%) ambitiös weit nach oben. Und auch in den folgenden Jahren soll der Umsatz in 20%-Sprüngen wachsen. Aufgrund der gut gefüllten Produktepipeline und der Lancierungen in China sowie den USA erhöhen die Analysten ihr Kursziel um gut 100 Dollar auf 591 taiwanesische Dollar.

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Hohe Preise kaum zu halten

Doch es gibt auch skeptische Stimmen: Die Analysten von der US-Grossbank Goldman Sachs halten die Preise für die in China einzuführenden Handys für zu hoch.

Auch bei Morgan Stanley glaubten die Experten nicht, dass sich die hohen Preise der Android-Smartphones auf längere Zeit halten lassen, sollten ungleich grösseren Konzerne wie Nokia und Samsung in diesem Segment richtig einsteigen. Zudem ist der von Android-Kunden ausgelöste Datenverkehr nach den ersten Erfahrungen vom US-Markt viel kleiner als jener der iPhone-Kunden.

T-Mobile, der exklusive Netzpartner in den USA, gewann mit Android kaum neue Kunden. Damit entfällt die massive Unterstützung, wie sie durch die exklusiven Einführungen der ersten iPhones vorgenommen wurde.

Die Skepsis widerspiegelt sich in einer tieferen Umsatzzuwachsrate von 15% und in einem etwas stärker schrumpfenden Gewinn pro Aktie. Beide Broker raten, die HTC-Aktie zu «halten». Ihre Zweifel am besten auf den Punkt bringen die Analysten der Credit Suisse: «Smartphones ... Ja! Smart Investments ...?» Eher nein.