Die finanzpolitischen Turbulenzen in Athen halten die Finanzmärkte und Anleger in Atem. Zuletzt hatte das Gerücht, dass das hoch verschuldete Land finanzielle Hilfe bei der chinesischen Regierung sucht, neben den griechischen Staatsanleihen auch den Euro stark unter Druck gebracht; am WEF in Davos beteuerten griechische Regierungsvertreter erneut, die Probleme selber lösen zu können. Trotz aller Athener Sparversprechen und einer erfolgreichen Anleiheemission vergangene Woche steht die Risikoprämie griechischer Staatsanleihen so hoch wie in über zehn Jahren nicht mehr.

Nouriel Roubini: Euro am Ende

Doch Griechenland ist nicht das einzige Sorgenkind. Auch andere Länder haben wie die Hellenen dank niedriger Zinsen jahrelang auf Pump gelebt. «Gemessen an den volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten, kommen Portugal und Spanien Griechenland am nächsten», erklärt Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. «Zwar haben die beiden Länder deutlich weniger Schulden angehäuft als Griechenland, aber 2009 sind ihre Staatsdefizite stark gestiegen.»

Spanien etwa leidet ausserdem unter fallenden Immobilienpreisen, einem unflexiblen Arbeitsmarkt und stark gestiegenen Lohnstückkosten. Dies trifft auch Portugal, dessen Wirtschaft mit Spanien eng verbunden ist. Der Internationale Währungsfonds hat Portugal daher vor Kurzem genau wie Griechenland vor einem «langsamen Tod» aufgrund der hohen Verschuldung gewarnt.

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Die Krisenkandidaten sind eine Belastungsprobe für den Euro, der zuletzt kräftig Federn lassen musste. Der US-Starökonom Nouriel Roubini will jetzt gar ein Ende der Einheitswährung nicht mehr ausschliessen: «In absehbarer Zukunft, wenn auch nicht in ein oder zwei Jahren, könnten wir das Auseinanderbrechen der Währungsunion miterleben.»

Die Pleite eines EWU-Mitglieds könnte eine Kettenreaktion in Gang setzen. Das Vertrauen in andere verschuldete Euroländer und in die Einheitswährung wäre zerstört, die Anleihen der hoch verschuldeten Staaten würden ebenfalls kräftig an Wert verlieren, die Schuldenfinanzierung erheblich teurer. Ein Ausweg für Länder, die vor einem Zahlungsausfall stehen, wäre ein Austritt aus der Eurozone, um über eine schwache Währung Wettbewerbsvorteile zu erreichen. Die Nachteile, etwa noch höhere Zinsen für die Schuldentilgung und ein Wegfall der EU-Subventionen, lassen diese Lösung allerdings unwahrscheinlich erscheinen.

Die zweite Möglichkeit wäre, dass wirtschaftlich stärkere Länder wie Deutschland und Frankreich den Schuldnern mit Milliardenpaketen oder einer Euroanleihe zu Hilfe eilen.

Diesen Donnerstag machte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso noch einmal klar, dass die europäischen Regierungen Athen im Notfall unter die Arme greifen. Grösstes Problem: Was bei Griechenland noch gemeinschaftlich zu meistern wäre, ist im Fall grosser Volkswirtschaften wie Spanien oder Italien nicht mehr zu finanzieren. Daher wächst derzeit der Druck auf Athen massiv, einen aggressiveren Sparkurs einzuschlagen. Und die Euroländer könnten im Notfall den Druck noch weiter erhöhen: Strafzahlungen bei wiederholter Verletzung der Verschuldungsgrenzen im Maastricht-Vertrag, Kürzung von Mitteln im Rahmen der EU-Fonds oder Versprechen auf Hilfszahlungen bei stabilitätskonformem Verhalten zählen zu den möglichen Mitteln.

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Privatinvestoren könnten daher von der Schieflage des Landes kurzfristig profitieren. «Wir halten griechische Staatsanleihen auf den aktuellen Renditeniveaus für sehr interessant», erklärt Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. «Allerdings sollten Investoren eher kurze Laufzeiten bevorzugen, da ein Zahlungsausfall auf längere Sicht nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.»