Aktionäre der Privatbank EFG International wähnten sich in den letzten Tagen auf einer Achterbahnfahrt: Seit Ende Oktober fiel das Papier, das sich 2008 eher am Kurs der Credit Suisse als an dem der UBS orientiert hatte, um 30%.

Höchste Zeit für das EFG-Manmanagement, in die Offensive zu gehen. Gegenüber dem US-Fernsehsender CNBC wies CEO Lawrence Howell kürzlich darauf hin, dass die Aktie nicht unter das Short-Selling-Verbot falle. Die Bank bekomme aber Neukunden, «nicht nur von der UBS», wie Howell dem Fernsehsender sagte.

Gleichzeitig informierte EFG «aufgrund der volatilen Märkte und im Interesse der Transparenz» über die Geschäftsentwicklung der ersten zehn Monate. Die Kundenaktivitäten, die im August und September «zurückhaltend» gewesen seien, «gewannen im Oktober wieder an Fahrt». Ausser Kundenberatern würde niemand mehr eingestellt, die Kosten seien unter Kontrolle und bei den Produkten gebe es niedrigere Rückzüge als im Branchendurchschnitt.

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Unfälle nur bei anderen Banken

Die Tier-1-Eigenmittelbasis soll von derzeit 11,3% bis Jahresende auf 13% steigen. Aufgrund der vorsichtigen Haltung bezüglich der Gegenparteirisiken seien die Ausstände bei Pleiten wie der von Lehman zudem «vernachlässigbar», versicherte EFG.

Keith Gapp, Head des Strategischen Marketings und Kommunikation von EFG International in Zürich weist auf Anfrage auf das sehr konservative Profil der Bank hin. «Wir sind nicht von den Unfällen betroffen, die andere Banken gehabt hatten.» Die Kundenbasis besteht vor allem aus wohlhabenden Privatpersonen. Das Wachstum der Assets war im 1. Halbjahr «aussergewöhnlich hoch» gewesen. «Der Mittelzufluss erfolgt nicht unbedingt auf Kosten der anderen Banken», sagt Gapp weiter. In der 2. Jahreshälfte sei der Mittelzufluss immer noch hoch. Laut Gapp spürt aber auch EFG, dass Kunden ihre Risiken reduzieren, weniger Anlagen auf Kredit vornehmen und es bei Hedge-Fonds-Anlagen zu Mittelabflüssen kommt.

Die Kursberuhigungspille wirkt – innert zweier Tage stieg der Aktienkurs wieder um 20%. Rückenwind kam auch von Analysten. Matthias Büeler, Analyst bei Kepler Capital Markets, bemerkte in einer Studie, dass die Befürchtungen um Bilanzprobleme sich nicht materialisiert hätten und im Nachhinein übertrieben gewesen sind. Zwar könne sich EFG den generellen Trends an den Kapitalmärkten nicht entziehen. Die Bank wachse aber und bleibe profitabel. Büeler bezeichnet EFG weiterhin als Sektorfavoriten, er kürzt aber das Kursziel auf 28 von zuvor 48 Fr. Im Dienstagvormittaghandel glitten die EFG-Kurse wieder 14% ab. Die 12-Monats-Performance ist mit –57% nun etwa auf dem gleichen Niveau wie jene der Konkurrenz.