BANKAKTIEN. Die Aktien der Privatbanken trotzen dem weltweiten Abwärtstrend der Finanztitel. Während das fünfeinhalbmal schwerere UBS-Papier in den letzten drei Monaten 18% seines Werts verloren hat, steht die «kleine» Julius Bär mit mehr als 20% im Plus. Das im beständigeren Private Banking tätige Haus ist von den Subprime-Problemen nicht so stark betroffen wie die Grossbanken.

Zudem profitiert Bär von nicht enden wollenden Gerüchten. Die neue interne Organisation, nach der das europäische Asset Management dem Private Banking unter CEO Alex Widmer zugeordnet und damit zum stärksten Geschäftsbereich wird, schürt erneut Fantasien über das verbleibende Amerika-Geschäft von JBIM und der GAM. Ein Verkauf würde frische Mittel in die Kassen spülen, mit denen Julius Bär in den Wachstumsmärkten Asiens neue Akquisitionen tätigen könnte. Das träumt jedenfalls die Fantasie der Anleger und Analysten. Für Sacha Holderegger, Analyst der Clariden Leu, ist die Bär-Aktie daher bis 100 Fr. weiterhin ein Kauf. Im Gegensatz dazu hält Andreas Venditti das Papier für zu teuer. «Bär ist von allen Banken im ZKB-Universum am höchsten bewertet», resümiert der Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB).Seine Empfehlung deutet stattdessen nach Basel. «Sarasin ist günstig bewertet und die Wachstumsstory ist intakt», so Venditti. Als strategischen Schritt hat Sarasin das Geschäft mit den weniger finanzstarken Kunden in ein Joint Venture mit der AIG Private Bank ausgelagert. Noch bevor ein Name für diese neue Bank gefunden ist, hat mit der DWS jüngst schon ein dritter Player seine Kundenvermögen eingebracht. Andere könnten folgen, jedenfalls zeigt sich Sarasin offen für weitere Mitspieler. Das eigentliche Augenmerk widmet die Basler Bank aber den vermögenden Privatkunden. CEO Joachim Strähle setzt dabei vor allem auf einen Ausbau der Präsenz in Asien. Aber auch den vermögenden Teil von den 9 Mio Kunden der niederländischen Mutter Rabobank sähe der Ex-CS-Mann gerne in seiner Schalterhalle.

Vontobel zu Unrecht abgestraft

Bei der Bank Vontobel setzt CEO Herbert Scheidt weiterhin voll auf das Pferd «strukturierte Produkte». Dies hat jedoch die Aktie zu weniger Beständigkeit verdammt, weil das Derivategeschäft beim Investment Banking angesiedelt ist. Dieses ist daher zwar kaum mit dem der Grossbanken vergleichbar – CEO Scheidt versichert auch, keinerlei Exposures im Subprime-Markt zu haben –, doch die Anlegerschaft meidet derzeit konsequent alles, wo «Investmentbank» draufsteht. Zu Recht, wie Nachrichten aus dem Reich der internationalen Grossbanken bestätigen. Deren Verluste im Zusammenhang mit der US-Kreditmarktkrise nehmen astromonische Summen an; bis jetzt haben die Banken mehr als 30 Mrd Dollar abgeschrieben, die Schätzungen über das gesamte Übel oszillieren zwischen 150 und 240 Mrd Dollar. Um unterdessen den Handel mit Kreditderivaten nicht gänzlich sterben zu lassen, gründen die drei grössten US-Banken Citigroup, Bank of America und JPMorgan Chase einen 75 Mrd Dollar schweren Rettungsfonds. Auch die Schweizer Grossbanken dürfen sich überlegen, bei diesem Auffangvehikel mitzumachen, das marode Finanzinstrumente von strukturierten Investmentvehikeln (SIV) aufkaufen und damit einen weiteren Preisrutsch im Kreditderivatmarkt verhindern will. Für die Banken wäre ein Preisverfall unter anderem deshalb gefährlich, weil dann auch jene Papiere weniger wert wären, die sie selbst in den Büchern halten. Nach allem, was bis jetzt aus den Schweizer Bankbüchern aufgetaucht ist, könnte sich das vor allem für die UBS lohnen. Laut einer Mitteilung zum 3. Quartal bestehen nebst den bereits abgeschriebenen 4,2 Mrd Fr. noch weitere Engagements im Buchwert von 44 Mrd Franken. Konkurrentin CS scheint nach allen bislang veröffentlichten Zahlen besser davongekommen zu sein. Aber bevor nicht die Jahresergebnisse 2007 vorliegen, sollte auch bei der CS-Aktie die Vorsicht walten. «Die Unsicherheiten sind einfach noch zu gross. Und so schnell wird die Krise auch nicht vorbei sein», warnt Venditti von der ZKB.

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