Seit der Gewinnwarnung für das 1. Quartal am 1. April 2008 hat sich die UBS-Aktie um 25% erholt, der CS-Titel hat gleichzeitig 4% eingebüsst. Die UBS schätzt den Verlust im 1. Quartal auf rund 12 Mrd Fr., auch die Credit Suisse wird am 24. April einen Verlust ausweisen. Helvea-Analyst Peter Thorne rechnet mit einem Fehlbetrag von 750 Mio Fr. , die Schätzungen der Analysten gehen aber weit auseinander.

«Es gibt eine grosse Unsicherheit über die weitere Gewinnentwicklung im Bankensektor», erklärt Thorne. Deshalb rechnet er für die nächsten Monate mit sehr starken Kursschwankungen bei den beiden Grossbankentiteln. Die Credit Suisse sollte aus seiner Sicht aber bereits im 2. Quartal 2008 in die Gewinnzone zurückkehren. Für die UBS rechnet Oppenheimer-Analystin Meredith Whitney für das Gesamtjahr 2008 noch nicht mit einem Gewinn. Die UBS stellt aber in Aussicht, im nächsten Jahr wieder profitabel zu sein. Eine Gewinnschätzung ist besonders schwierig, weil die Investmentbank restrukturiert wird und noch unklar ist, wie hoch der Imageschaden im Wealth Management ist.

Erträge schrumpfen

Viele Experten rechnen damit, dass mit den im 1. Quartal getätigten Abschreibern für die Banken das Schlimmste überstanden ist. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt dagegen, dass die Banken weltweit noch einmal etwa gleich viele Abschreibungen vornehmen müssen, wie bereits getätigt wurden.

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Für Dirk Becker, Analyst von Landsbanki Kepler, stehen in den nächsten Monaten für die Branche weniger neue Abschreiber als sinkende Erträge in verschiedenen Geschäftsbereichen im Investment Banking im Vordergrund: «Die Erlöse werden stark zurückgehen.» Auch wenn die Krise einmal überstanden ist, können die Banken nicht mehr an den Gewinnen anknüpfen, die sie vor Ausbruch der US-Subprime-Krise erzielt haben.

Anlagehorizont entscheidend

In den Augen von Helvea-Analyst Peter Thorne dürften die schrumpfenden Erträge der Credit Suisse stärker zu schaffen machen als der UBS. Denn die Credit Suisse hat sich zum Beispiel stärker bei kreditfinanzierten Übernahmen engagiert. Dieses Riesengeschäft ist mittlerweile praktisch zum Erliegen gekommen. Dagegen sei die UBS eher der Gefahr von neuen Abschreibern ausgesetzt, da die Bank weltweit das grösste Engagement im US-Hypothekenmarkt eingegangen sei. In einem Bericht an die EBK hat die UBS die Ursachen für die Krise aufgezeigt.

Da die Gewinne schwierig zu schätzen sind, muss den Bewertungen der beiden Aktien mit Vorsicht begegnet werden. Die UBS wird auf Basis der Schätzungen für 2009 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10,3 bewertet, die Credit Suisse mit einem KGV von 7,2. Für Guy de Blonay, Fondsmanager von New Star Asset Management, hängt es letztlich vom Anlagehorizont ab, ob die Titel auf den aktuellen Kursniveaus günstig bewertet sind. Während kurz- und mittelfristig die Gewinne stark schwanken können, seien die Titel auf lange Sicht attraktiv.