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Erdbeben
Grosser Ausverkauf an der Schweizer Börse

Der SNB-Entscheid ist wie ein Gewitter über die Schweizer Börse hinweggezogen und hat gleich reihenweise Aktien ins Elend gestürzt. Die Sonne schien nur für die Swisscom.

Veröffentlicht am 15.01.2015

Die SNB hat dem Schweizer Aktienmarkt am Donnerstag einen historischen Tag und dabei einen selten massiven Kurssturz beschert. Nach Bekanntgabe des Entscheids der SNB zur Aufhebung des Mindestkurses ging es nicht nur an den Devisen- sondern auch an den Aktienmärkten drunter und drüber. Am Schweizer Aktienmarkt fiel der SMI in den ersten Minuten nach Bekanntgabe des Entscheids um gut 600 Punkte, und nach einem kleinen Stabilisierungsversuch um weitere 800 Punkte ins Bodenlose. Die Differenz zwischen dem Tageshoch und dem Tagestief bei gut 7900 lag bei knapp 15 Prozent. In der Folge ging es wieder um circa 500 Punkten nach oben, ehe sich das Geschehen am Nachmittag etwas beruhigte.

Das Auf und Ab äussert sich entsprechend auch im Volatilitätsindex, welcher vorübergehend ein Plus von 80 Prozent aufgewiesen hat. Am frühen Nachmittag ist dieser dann wieder etwas zurückgekommen. Der Euro hat sich nach einem Ausflug deutlich unter die Parität am Abend bei einem Niveau von 1,04 eingependelt und der Dollar bei rund 90 Rappen. Im Tief fiel der US-Dollar gar auf rund 70 Rappen zurück.

Alle im Minus, nur Swisscom nicht

Der Swiss Market Index (SMI) beendete die turbulenteste Sitzung seit langem mit einem Minus von 8,67 Prozent bei 8400,61 Punkten; das Tageshoch lag bei 9277 und das Tagestief bei 7932 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gab 9,37 Prozent auf 1220,13 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) 8,58 Prozent auf 8284,45 Punkte. Von den 30 wichtigsten Aktien schlossen ausser Swisscom alle im Minus.

Die Finanzmärkte hat die SNB nicht nur überrascht sondern regelrecht auf dem falschen Fuss erwischt. Sie hat den Mindestkurs aufgehoben und auch die Leitzinsen weiter gesenkt. Der Chefökonom der UBS beispielsweise zeigte sich in einer ersten Reaktion wie andere Marktteilnehmer schockiert. Der Chief Investment Officer derselben Bank sieht grosse negative Effekte für die Schweizer Wirtschaft. Er schätzt die direkten Auswirkungen auf die Exporteure auf rund 5 Milliarden Franken oder 0,7 Prozent des BIP. Entsprechend negative Reaktionen sind von den meisten Branchenverbänden gekommen, unter anderem den grossen Swissmem oder vom Hotelier- und Tourismusverband.

Jordan verteidigt den Ausstieg

SNB-Chef Thomas Jordan verteidigte die Massnahme mit den Hinweis auf die internationalen Entwicklungen und dass es keinen Sinn mache, an einer nicht nachhaltigen Politik festzuhalten. Der Entscheid sei mit dem Wissen gefällt worden, dass kurzfristig Turbulenzen die Folge sein können. Aber ein Ausstieg aus einer Politik müsse überraschend erfolgen.

Nachrichten zu einzelnen Aktien traten angesichts der sich überstürzenden Ereignisse naturgemäss in den Hintergrund und auch, dass der Gesamtmarkt nach freundlichen Vorgaben am Morgen noch klar auf Gewinnkurs lag, blieb lediglich noch eine Randnotiz.

Richemont mit Problemen in Asien

Dennoch seien unter den Einzeltiteln Richemont erwähnt, welche im Anschluss an die Publikation der Verkaufszahlen im dritten Quartal, dem wichtigen Weihnachtsquartal, in der ersten Phase des Handels gegen den vorerst noch freundlichen Trend nachgaben. In der Region Asien ohne Japan sei seit Oktober offenbar «noch keine Verbesserung gelungen», hiess es dazu in Marktkreisen.

Belasten würden immer noch die zu hohen Uhrenlager und vorsichtige Detailhändler. Die Aktie ging letztlich mit einem Minus von gut 15 Prozent aus dem Handel.

Brutaler Einbruch bei Lonza und Swatch

Noch etwas brutaler brachen Lonza (-18 Prozent) und Swatch (-16 Prozent) ein. Swatch-Chef Nick Hayek hatte in einer Reaktion auf die SNB verlauten lassen, dass dies einem über die Schweiz hereinbrechenden Tsunami gleichkomme. Um je rund 14 Prozent fielen Sonova und Actelion zurück, die Verluste der Banken UBS, CS und Julius Bär lagen im Bereich von 11 bis 12 Prozent.

Holcim (-11 Prozent) erging es nicht besser. Das Unternehmen hat in einer Stellungnahme wissen lassen, dass Währungsschwankungen lediglich einen begrenzten Einfluss auf das Betriebsergebnis von Holcim hätten und dass an den Plänen zum Merger mit Lafarge festgehalten werde. Holcim verzeichneten am Donnerstag im Tief ein Minus von rund 20 Prozent.

ABB sieht nur beschränkten Einfluss auf die Bücher

Im Bereich von 10 Prozent tiefer gingen Aryzta, Givaudan und Geberit aus der denkwürdigen Sitzung, bei jeweils rund 9 Prozent lagen die Einbussen von Novartis, Roche, Kühne+Nagel, Clariant, Syngenta und ABB.

Der Industriekonzern ABB sieht durch den starken Anstieg des Frankens gegenüber dem Euro nur einen beschränkten Einfluss auf die eigenen Bücher. Der Einfluss dürfte limitiert bleiben, teilt das Unternehmen im Anschluss an den Entscheid der SNB mit. Üblicherweise belaufe sich der konsolidierte Umsatz in Schweizer Franken bei ABB auf weniger als 5 Prozent, wovon das Meiste exportiert wird.

Nur Swisscom im Plus

Als einziger Gewinner zogen Swisscom als ganz auf die Schweiz ausgerichtetes Unternehmen um 1 Prozent an. Mit einem Minus von je gut 5 Prozent zogen sich Galenica, Bâloise und Swiss Re noch relativ gut aus der Affäre, Nestlé wurden um 6 Prozent zurückgebunden.

Im breiten Markt sackten Straumann (-17 Prozent) oder Partners Group (-16 Prozent) am stärksten ab. Aber auch Industrieunternehmen wie Rieter (-14 Prozent), Meyer Burger und Zehnder (je -11 Prozent) kamen unter die Räder. Zehnder wird am Freitag die Umsatzzahlen 2014 vorlegen.

Kuoni büssten mit einem Minus von gut 8 Prozent die Vortagesgewinne wieder ein. Am Mittwoch stand das Unternehmen mit der Ankündigung der Abspaltung des Reiseveranstaltergeschäfts klar im Fokus der Märkte.

(awp/ise)

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