Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet Hugh Hendry, Mitgründer von Eclectica Asset Management, als Investmentprofi in London. Bereits 2006 wettete er darauf, dass sich im Finanzmarkt eine Blase bilden würde. Diese Ansicht hat sich inzwischen bestätigt. Mit dem «Wall Street Journal» (WSJ) sprach Hendry über die Finanzkrise und die Strategie, mit der er ihr begegnet. Eclectica verwaltet nach Hendrys Aussage etwa 1 Mrd Dollar in Fonds.

Wird die Finanzkrise dauerhafte Auswirkungen auf London als Finanzzentrum haben?

Hugh Hendry: Absolut. Und nicht nur auf London, sondern auf ganz Grossbritannien. Die Anstrengungen der Spekulanten in London sind in der Schwäche des britischen Pfund gegenüber den anderen europäischen Währungen ersichtlich. Nach dem Platzen einer Blase dauert es 25 Jahre, bis verlorener Boden wieder gutgemacht ist. Dasselbe gilt für das Finanzsystem in London. Diese Generation gehört zu den Verlie-rern.

War es jemals schlimmer, Hedge-Fonds-Manager in Grossbritannien zu sein?

Hendry: Ich hatte gerade die beste Woche meines Lebens. Die letzten drei Jahre waren die schlimmsten, denn ich habe diese Entwicklung kommen sehen, denn ich musste mich immer gegen die Meinung aller anderen Investoren stellen. Am Montag, 15. September 2008, habe ich 14% an einem Tag gemacht.

Wie war das möglich, obwohl der Markt in Aufruhr ist?

Hendry: Ich wettete darauf, dass schlimme Dinge passieren werden. Wir haben auf den Spread zwischen zweijährigen und zehnjährigen US-Staatsanleihen gewettet. Die Marktteilnehmer glauben daran, dass die Zinsen steigen werden. Aber wenn der Banksektor insolvent ist, kann es keine Inflation geben. Im kommenden Jahr werden sich die Notenbanker mit Deflation beschäftigen müssen.

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