Trotz schwächerem Wirtschaftswachstum hält der Gründungsboom an und erklimmt im 1. Halbjahr 2008 einen neuen absoluten Rekordwert. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 19159 Firmen neu gegründet ? so viele wie noch nie. Auch die Zahl der Firmenkonkurse entwickelte sich positiv und ging nochmals deutlich zurück auf den tiefsten Wert seit dem Jahr 2000. Im 1. Halbjahr meldeten noch 1899 Firmen Konkurs an, 5,9% weniger als im Vorjahr.

Baugewerbe zählt zu Gewinnern

Doch nicht alle Branchen und Kantone konnten von der allgemein positiven Entwicklung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gleichermassen profitieren. Zu den Gewinnern zählen das Baugewerbe mit einer regional unterschiedlich hohen Auslastung der Bautätigkeit im Wohnungs- und Gewerbebau, die Präzisions- und Uhrenindustrie, welche vom Export begünstigt ist, und die Unternehmensdienstleister ? allen voran die Unternehmens- und Steuerberater sowie die Personalvermittler, denen die guten Jahresergebnisse sowie die Expansionspläne und Investitionsbereitschaft der Firmen zugute kommen. Sie verzeichneten allesamt mehr Neugründungen und weniger Konkurse als noch im Vorjahr. In den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Schwyz und Zürich sorgten diese Branchen auch dafür, dass der Gründungsboom weiter anhält und die Zahl der Firmenkonkurse in den Monaten Januar bis Juni 2008 nochmals tiefer ausfiel als im 1. Halbjahr 2007.

Holz- und Möbelindustrie leidet

Dass die konjunkturelle Abkühlung nicht spurlos an den Schweizer Firmen vorbeizieht, zeigt sich in anderen Branchen. So gingen die Neugründungen in der Holz- und Möbelindustrie, im Grosshandel oder bei den Architekturbüros gegenüber dem 1. Halbjahr 2007 mit 51% und 13,9% überdurchschnittlich stark zurück. Da die Neugründungen gemäss einer gemeinsamen Untersuchung des Kof (ETH Zürich) und D&B mit einem zeitlichen Vorlauf von drei bis vier Monaten auf den Konjunkturverlauf hinweisen, sind die tieferen Gründungszahlen ein Indiz dafür, dass sich die Auftragslage in diesen Branchen verschlechtert hat. Noch schlechter stellt sich die aktuelle Situation in der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie im Verlags- und Druckgewerbe dar. Der kräftige Konkursanstieg in diesen Branchen im 1. Halbjahr 2008 lässt darauf schliessen, dass sich das schwächere Wirtschaftswachstum bereits in den Umsatz- und Ertragszahlen der Firmen niedergeschlagen hat. Auf kantonaler Ebene spüren dies insbesondere die Deutschschweizer Kantone Luzern, Thurgau, Nidwalden, Obwalden, Solothurn und Graubünden mit wesentlich mehr Konkursen als noch im 1. Halbjahr 2007.

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Ausblick 2008

Für das laufende Jahr werden mehr Neugründen als im Vorjahr erwartet und erneut ein Rückgang bei den Firmenkonkursen.

 

 


Die Zuversicht kommt zurück

Den Schweizer Unternehmen gehts besser, als zu Beginn dieses Jahres erwartet. Das höhere Auftragswachstum im 2. Quartal 2008 und die positive Beurteilung der Geschäftserwartungen in den kommenden Monaten sind ein Indiz dafür, dass die Zuversicht zurückgekommen ist. Eine Mehrzahl der von der Konjunkturforschungsstelle Kof (ETH Zürich) zum Geschäftsgang und den Geschäftserwartungen befragten Unternehmen gab an, dass im 2. Quartal 2008 die Zahl der Aufträge erstmals wieder stärker anstieg als zu Beginn diesen Jahres und sie die Geschäftserwartungen fürs 3. Quartal positiver beurteilen als noch in der Aprilumfrage.

Als Triebfedern sind einmal mehr der Export und der private Konsum für den Umschwung verantwortlich. Es mag deshalb auch nicht erstaunen, dass Grossunternehmen mit einer hohen Exportorientierung davon weit mehr profitieren können als KMU, die in der Regel vor allem auf dem Binnenmarkt tätig sind. Bei den Branchen sind die Hightech- und die Luxusgüterindustrie sowie der Detailhandel die grossen Profiteure.