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Interview
«Gute Gelegenheiten im Banken- und Tech-Sektor»

Dax-Boerse-Aktie-Chart
Volatilität an der Börse: Seit Tagen wieder Realität.Quelle: Keystone

Ted Dimig, CIO der J.P. Morgan Private Bank, spricht über die Korrektur am Aktienmarkt, wie es jetzt weitergeht und was die Schweizer Kunden tun.

Von Peter Manhart
am 12.02.2018

Hat sich das reinigende Gewitter an den Börsen nun entladen?
Gelegentliche Marktkorrekturen gehören bei Aktieninvestments dazu. Tatsächlich sehen wir an den meisten Aktienmärkten dreimal pro Jahr einen Rückgang um jeweils mindestens fünf Prozent. Nachdem die Zentralbanken allmählich ein Ende der lockeren Geldpolitik einleiten und die Aktienmärkte sich in den vergangenen Monaten nach oben bewegt haben, war es sehr wahrscheinlich, dass Volatilität in die Märkte zurückkehrt. Wir denken, die Zinsen in den USA könnten noch höher steigen, bevor sie die Aktienwerte negativ beeinflussen. Die Abverkäufe haben unser Vertrauen in die Ganzjahresentwicklung der globalen Aktienmärkte nicht getrübt, denn der fortschreitende wirtschaftliche Aufschwung und das Umsatzwachstum sprechen dafür. Einige unserer Kunden, auch in der Schweiz, haben die jüngste Korrektur genutzt, um bei niedrigeren Kursen selektiv in Aktien zu investieren.

Wir erleben also nicht den Beginn eines Bärenmarktes?
Die Volatilität könnte durchaus erhöht bleiben. Wir bleiben in Bezug auf Aktien aber aufgrund des robusten makroökonomischen Umfelds und der gesunden Fundamentaldaten positiv. Der weltweite wirtschaftliche Aufschwung wird sowohl von steigenden Unternehmensinvestitionen als auch eines erhöhten Konsums aufgrund sehr niedriger Arbeitslosenzahlen gestützt. Wenn man sich in der Welt umschaut, sieht man, dass alle wichtigen Regionen bei bester Gesundheit sind. Der Eurozone Composite Purchasing Managers Index steht auf den höchsten Stand seit elf Jahren, das Unternehmens- und Konsumentenvertrauen in China ist auf einem sehr hohen Level, und die US-Wirtschaft steht vor einem weiteren Aufschwung, unter anderem getrieben von der Steuerreform. Diese wirtschaftliche Stärke deutet darauf hin, dass Unternehmensinvestitionen in allen wichtigen Regionen weiter zunehmen dürften. Die Zeiten sehr niedriger Volatilität, die wir zuletzt sahen, sind allerdings wahrscheinlich vorbei. Einige erfahrene Schweizer Kunden investieren daher jetzt beispielweise in derivative Instrumente, mit denen sie von einer Normalisierung der Volatilität durch den systematischen Verkauf von Put-Optionen auf breite Indizes profitieren können.

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Ted Dimig JP Morgan
Ted Dimig: «Es kann durchaus sein, dass es zu weiteren systematischen Verkäufen kommt.»
Quelle: JP Morgan

Weshalb kam die Korrektur jetzt?
Es scheint, als habe die Sorge vor übermäßigen Zinserhöhungen in den USA dazu geführt, dass die Aktienmärkte innegehalten und Investoren versucht haben, sich darüber klar zu werden, was höhere Zinsen für das globale Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne bedeuten könnten. Die Korrektur an den Aktienmärkten fand vor dem Hintergrund eines positiven wirtschaftlichen Umfelds, synchronem globalen Wachstum und positiven wichtigen Indikatoren statt – beispielsweise dem Eurozone Composite PMI, positiven Arbeitsmarktzahlen in den USA und positiven Quartalsergebnissen US-amerikanischer Unternehmen. Unsere Schweizer Kunden scheinen sich ebenfalls auf diese Fundamentaldaten zu  fokussieren und bleiben in Aktien investiert. Wir konnten keine größeren Aktienabverkäufe verzeichnen.

Wo floss das Geld hin aus den Aktienmärkten?
Es ist zu früh, um das zu sagen. Aber generell läuft es in solchen Situation nach dem «sell first, re-invest later»-Prinzip. Ich würde also denken, dass das meiste Geld aus Aktien derzeit in Cash gehalten wird.

Welche Sektoren, Regionen sind relativ gesehen nun attraktiv oder werden attraktiver?
Es ist zwar schwer vorherzusagen, ob bereits der Tiefstand erreicht ist, da es durchaus sein kann, dass es zu weiteren systematischen Verkäufen kommt, aber wir denken, im Technologie- und im Bankensektor bieten sich jetzt gute Gelegenheiten zu investieren.