Spekulationen auf eine baldige Drosselung der US-Geldschwemme haben die europäischen Aktienmärkte kräftig ins Minus gedrückt. Auslöser hierfür waren überraschend starke US-Arbeitsmarktdaten. Die US-Notenbank hat ihre Geldpolitik an die Entwicklung der Beschäftigung geknüpft.

Der Euro litt zusätzlich unter dem Bekenntnis der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre lockere Geldpolitik bis auf weiteres beizubehalten. Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende Mai.

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Die US-Unternehmen schufen im Juni ausserhalb der Landwirtschaft 195'000 Stellen nach einem nach oben korrigierten Plus von 195'000 im Vormonat. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten mit 165'000 zusätzlichen Jobs gerechnet. Die Arbeitslosenquote stagnierte allerdings bei 7,6 (Prognose: 7,5) Prozent.

«Hält der Arbeitsplatzaufbau in ähnlicher Grössenordnung in den kommenden drei Monaten an, kann ab Oktober mit einer Drosselung der Wertpapieraufkäufe gerechnet werden», erklärte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. «So empfindlich auch die Finanzmärkte in den vergangenen Wochen reagiert haben mögen, der erste Schritt zu einer Normalisierung der Geldpolitik ist ein gutes Signal.»

Finanzmarkt-Experte Alister Gaines von CDC Wealth Management rechnet sogar noch früher mit dem Einstieg in den Ausstieg aus dem sogenannten «Quantitative Easing» (QE). «Die Wahrscheinlichkeit für die Drosselung des QE im September sind gestiegen.»

Dollar im Aufwind

Der Dax eroberte als Reaktion auf die US-Daten zunächst die psychologisch wichtige Marke von 8000 Punkten zurück, fiel dann aber um 1,3 Prozent auf 7888 Punkte. Der Euron Stoxx 50 gab 0,7 Prozent auf 2627 Zähler nach. Der Schweizer Leitindex SMI verlor am späten Nachmittag rund 0,5 Prozent. An der Wall Street - die am Donnerstag wegen des US-Unabhängigkeitstages geschlossen geblieben war, während die europäischen Börsen deutlich zulegten - standen heute Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 leicht im Plus.

Anleger warfen ausserdem US-Anleihen in hohem Bogen aus ihren Depots. Der T-Bond-Future fiel daraufhin um mehr als zwei volle Punkte auf ein Zwei-Jahres-Tief von 132-20/32 Punkten. In seinem Sog rutschte der Bund-Future in der Spitze um 90 Ticks auf 141,39 Zähler ab.

Am Devisenmarkt verbilligte sich der Euro auf bis zu 1,2810 Dollar und lag damit rund einen US-Cent unter seinem New Yorker Mittwochsschluss. Im Gegenzug stieg der Dollar-Index, der den Wechselkurs zum Euro und anderen wichtigen Währungen widerspiegelt, auf ein Drei-Jahres-Hoch von 84,53 Punkten.

Verbesserte Lage in Portugal

Portugal konnte sich diesem Trend allerdings entziehen, weil sich eine Lösung der Regierungskrise abzeichnete. Die Renditen der dortigen Staatsanleihen und auch die Prämien für die Kreditausfall-Versicherungen Credit Default Swaps (CDS) gingen weiter zurück. Die Aktienbörse lag nur knapp im Minus.

Zu Wochenbeginn hatte die Furcht der Anleger vor einem Auseinanderbrechen der Koalitionsregierung in Lissabon und vor einem Abweichen des hoch verschuldeten Landes von seinem Sanierungskurs die Börsen europaweit auf Talfahrt geschickt.

(tno/chb/reuters)