Verkehrte Welt bei den Carry Trades: Hatten sich bisher Finanzinvestoren mit den Transaktionen in Tiefzinswährungen wie Yen und Franken verschuldet und in Hochzinswährungen wie den australischen Dollar ausgeliehen, ist jetzt der US-Dollar laut den Währungsanalysten von Morgan Stanley die wichtigste Verschuldungswährung geworden. Der Nullzins-Dollar ist die Alternative zum 0,1%-Yen geworden.

Auf den richtigen Trade setzen

Hier setzt ein seit März 2008 verfügbares Produkt der UBS ein. Weil die gewöhnlichen Long Carry Trades zwar über bestimmte Zeiträume funktionieren können, aber zwischenzeitliche Verwerfungen, die das ganze Kalkül hinfällig machen, nicht ausgeschlossen werden können, verbrieft die Bank eine Carry-Strategie.

Dabei wird eine Hochzins-Fremdwährungsposition aufgelöst, wenn sich der Kurs des Währungspaares stärker verändert als die Zinsdifferenz. Es sind dann sogar Situationen möglich, bei denen es kurzfristig attraktiver ist, eine Position in einer Tiefzinswährung zu halten und diese durch ein Darlehen in einer Hochzinswährung zu finanzieren. Fachleute sprechen hier vom Short Carry.

Anzeige

Die Kunst ist hier, im richtigen Augenblick von Long auf Short Carry und umgekehrt zu wechseln. Die UBS verlässt sich hierfür auf eine «V10-Enhanced Carry»-Handelsstrategie, leitet daraus einen Index ab und verbrieft diesen als Index-Tracker. Die «V10-Enhanced Carry»-Strategie stützt

sich auf einen Handelsalgorithmus ohne

menschliches Zutun. Wenn die Volatilität bei Währungen rasch steigt, wird dies als ein Hinweis auf Unsicherheit und Risikoaversion gewertet. Anschliessend wird eine Short-Carry-Position eingegangen (Verschuldung in Hochzinswährung, Ausleihe in Tiefzinswährung). Fällt die Volatilität und damit die Nervosität wieder, wechselt das Programm auf die Long-Carry-Seite (Verschuldung in Tiefzinswährung, Ausleihe in Hochzinswährung).

Besser als Aktien

Das Resultat des programmgesteuerten Wechsels ist der erwähnte V10-Long/Short Carry Index, das Produkt ein Open-End-Index-Tracker (VN 3821 551). Die historischen Daten seit Juni 2007, die wie immer keine Gewähr für zukünftige Gewinne sind, zeigen, dass diese Strategie auch während der Börsenturbulenzen funktioniert hat. Wer damals 100 Fr. in ein solches Produkt investiert hat, liegt mit seinem Engagement jetzt gut 40% im Plus. Die Long-Carry-Strategie alleine hätte ein Minus von 10%, eine Anlage in den breiten US-Aktienindex S&P-500 ein Verlust von 40% gebracht.

Der Grossteil der Gewinne wurde dabei erst nach September 2008 eingespielt, als kurzfristig viele Währungspaare hohe Ausschläge verzeichneten und viele konventionellen Carry-Positionen aufgelöst werden mussten.

Risiken und Nebenwirkungen

Wie bei allen in Dollar denominierten Zertifikaten besteht auch hier ein Währungsrisiko. Trotz des reinen Computereinsatzes berechnet UBS zudem eine Verwaltungsgebühr von 1,4% pro Jahr. Hinzu kommt das gefürchtete Emittentenrisiko: Die Ausfallrisikowahrscheinlichkeit der Schweizer Grossbank wird von den Kreditderivatmärkten mit einem aktuellen Risikoaufschlag von 117 Basispunkten vergolten.