Die Schweiz beherbergt zwei Grossbanken und mit Nestlé den weltweit grössten Nahrungsmittelkonzern. Wirklich dominant ist die hiesige Wirtschaft aber auf einem Gebiet, wo dies kaum vermutet würde: Im internationalen Handel mit Rohstoffen.

So sind die drei grössten Player im globalen Ölhandel alle in der Schweiz aktiv. Und an Computern bei Volcafé in Winterthur wird mit entschieden, wie teuer der Kaffee ist, der vor Ihnen steht. Ziehen die Preise für Kupfer oder Zink an, streichen Händler im Kanton Zug Gewinne in Millionenhöhe ein.

Gunvor und Putin?

Trotz ihrer Bedeutung zeigen sich die Rohstoff-Spezialisten nur sehr ungern in der Öffentlichkeit. Besonders beharrlich schweigt etwa die Firma Gunvor: Der drittgrösste Ölhändler der Welt gibt keine Umsätze und Gewinne bekannt, er nennt auf seiner Website weder Geschäftsführer noch Eigentümer. Zu erfahren ist lediglich, dass das Handelshaus einen Gutteil des russischen Exportöls vertreibt. Insider schätzen, dass Gunvors Umsatz 2007 rund 43 Mrd Dollar betrug. Dies entspricht etwa den Erlösen der Pharmariesen Novartis und Roche. Gegründet wurde das Unternehmen, das neben Genf seinen zweiten Sitz in Rotterdam hat, 1997 vom Schweden Torbjörn Törnqvjst und vom Russen Gennadij Timtschenko. Letzterer ist mit dem russischen Regierungschef Wladimir Putin befreundet, der angeblich ebenfalls an Gunvor beteiligt sein soll. Was von Törnqvist bestritten wird.

Mehr als dreimal so gross wie Gunvor ist das Handelshaus Vitol, Genf, das pro Jahr etwa 200 Mio t Rohöl und Ölprodukte verkauft und damit klarer Weltmarktführer ist. Der Umsatz, der 2002 erst 34 Mrd Dollar ausmachte, kletterte 2007 auf 146,7 Mrd Dollar. Das sind rund 50% mehr, als der Lebensmittelriese Nestlé auf die Waage bringt. Verantwortlich für das steile Wachstum ist unter anderem die Explosion der Ölpreise.

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«Fundamental unkorrekt»

Dabei hat der Handelsriese allerdings den Argwohn der amerikanischen Behörden geweckt. Medienberichten zufolge geht die Aufsichtsbehörde CFTC dem Verdacht nach, Vitol habe mit anderen Marktteilnehmern die Ölpreise manipuliert, die im Juli 2008 auf den Höchststand von 147 Dollar pro Barrel gestiegen waren.

Vitol soll über einen konzerneigenen Hedge-Fonds zeitweise 11% aller Ölkontrakte an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex kontrolliert haben. Die Firma weist die Vorwürfe zurück. «Die Beschreibung von Vitols Handelsposition und deren Beziehung zu den Ölpreisbewegungen ist fundamental unkorrekt», so das Unternehmen.

Gleich aber, ob sie mit Kaffee, Öl oder anderen Rohstoffe handeln gelernt haben viele Schweizer Trader ihr Handwerk beim Rohstoffkonzern Glencore mit Sitz in Baar bei Zug. «Rich Boys» werden die umtriebigen Händler oft genannt nach dem Glencore-Gründer Marc Rich. Im Ölhandel ist die heutige Glencore weltweit die Nummer zwei hinter Vitol. Bei Aluminium, Kupfer und anderen Buntmetallen gehört sie ebenfalls zu den Global Playern. Glencore handelt aber auch mit Getreide und Zucker, Biodiesel und Kohle. 2007 betrug der Umsatz 142,3 Mrd Dollar.

Mit einem Anteil von 34,5% ist Glencore Hauptaktionär bei einem weiteren Schweizer Rohstoffkonzern, der Xstrata in Zug. Anders als andere Schweizer Rohstoffkonzerne ist Xstrata an der Börse kotiert, und zwar in London und Zürich. Die Aktionäre schauen jetzt besonders kritisch hin der Rohstoffboom, der Xstrata nach oben gespült hat, scheint vorerst zu Ende zu sein. Noch besteht wenig Anlass zur Unruhe: Erlöse und Erträge haben bisher nicht dramatisch gelitten. Dem Unternehmen wird es voraussichtlich gelingen, auf der Generalversammlung Anfang März die geplante Kapitalerhöhung durchzusetzen: Xstrata will von den Aktionären 4,1 Mrd Pfund. Damit soll die Übernahme der kolumbianischen Kohlegruben von Glencore finanziert werden.

Trügerischer Rohstoffboom

Der Mutterkonzern kann den Barzufluss gut gebrauchen. Glencores Bonität hat sich in der Finanzkrise deutlich verschlechtert: Die Euroanleihen des Unternehmens werden mit Abschlägen von bis zu 40% gehandelt. Das Management versichert allerdings, dass Glencore über liquide Mittel und nicht genutzte Kreditlinien in Milliardenhöhe verfüge.

Doch die Märkte bleiben nervös. Der Rohstoffboom hat die Trader gross und reich gemacht; er kann ihnen die Gewinne aber auch wieder nehmen.