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Handelsstreit lässt SMI auf Jahrestief stürzen

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Unruhe an der Börse: Anleger fürchteten eine Eskalation des Handelsstreits.Quelle: Keystone

Die USA und China zoffen sich wegen neuen Zöllen. An der Schweizer Börse sorgt das für den Taucher des Jahres.

Veröffentlicht am 19.06.2018

Die Schweizer Börse hat am Dienstag den Abwärtstrend vom Vortag fortgesetzt und auf breiter Front nachgegeben. Der Leitindex sank kurzzeitig auf 8428 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Februar 2017. Schon am Vortag hatte die Angst vor einer Ausweitung des Handelsstreits der USA mit China die Kurse unter Druck gesetzt. «Nun scheint sich die Lage aber noch zu verdüstern», sagte ein Händler. «Es riecht nach Eskalation im Handelsstreit», kommentierte die Commerzbank.

 

Auch in Asien brachen die Aktienkurse ein: Der japanische Nikkei sackte um 1,6 Prozent ab, Hongkong büsste 2,4 Prozent ein und in Schanghai fielen die Kurse um drei Prozent.

 

Neue Zölle

US-Präsident Donald Trump kündigte neue Zölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Milliarden Dollar an, sollte die Regierung in Peking ihre geplanten Vergeltungszölle für frühere US-Zölle tatsächlich umsetzen. Die Regierung in Peking sprach von Erpressung und kündigte Gegenmassnahmen an, sollten die USA die Ankündigung wahr machen.

 

Wichtige Konjunkturdaten werden am Dienstag nicht veröffentlicht. Impulse erhofften sich die Anleger aus Portugal. In der Stadt Sintra trifft sich die weltweite Zentralbankenelite. EZB-Chef Mario Draghi wird erst am Abend nach Handelsschluss in Europa erwartet.

 

Roche trotz dem Trend

Der Genussschein von Roche trotzte als einziger Bluechip dem Negativtrend und legte 0,5 Prozent zu. Der Pharmakonzern will die amerikanische Foundation Medicine (FMI) ganz übernehmen. Für den noch nicht in ihrem Besitz stehenden Minderheitsanteil an der Gentest-Firma bieten die Basler 2,4 Milliarden Dollar. Der Angebotspreis von 137 Dollar je Aktie in bar entspreche einer Prämie von 29 Prozent zum FMI-Schlusskurs des Vortages. Der FMI-Verwaltungsrat unterstütze die Transaktion. Der Preis sei zwar hoch, kommentierte Michael Nawrath von Zürcher Kantonalbank (ZKB). Aber die Technologie sei führend in der Identifikation des bei jedem Krebspatienten einzigartigen Gen-Sets.

 

 

 

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Der Anteil von Rivale Novartis und des Lebensmittelriesen Nestle ermässigten sich um je 0,4 Prozent.

 

Swatch und Richemont unter Druck

Dagegen standen die Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont mit Einbussen von 2,5 und 2,2 Prozent überdurchschnittlich unter Druck. Händler sagten, Luxusgüterwerte hätten sich deutlich besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Zudem befürchteten die Anleger, dass wenn China unter den US-Strafzöllen leide auch nicht mehr so viele Luxusgüter importiert würden. «Der Sektor steht ja europaweit unter Druck», sagte ein Händler. Angesichts der am Donnerstag anstehenden Veröffentlichung der Uhrenexporte seien die Anleger vorsichtig, erklärte ein anderer Börsianer.

 

Den stärksten Abschlag aber verbuchten die Papiere von Sika mit minus 2,7 Prozent. Sika ist der hinter Swatch am stärksten gestiegene Standardwert im laufenden Jahr. «Es scheint, die Anleger wollen einen Teil der Gewinne einbuchen», sagte ein Händler.

 

Banken verlieren

Auch anderen zyklischen Werten machten der zu eskalieren drohende Handelsstreit zu schaffen: SGS, Adecco, ABB und Geberit verloren mehr als ein Prozent.

Bankaktien wurden aus den Depots gekippt. Credit Suisse fielen um 1,5 Prozent und UBS um 1,3 Prozent. Etwas weniger schlecht schlugen sich Assekuranzwerte, die um rund ein Prozent nachgaben.

 

Am breiten Markt fielen Burkhalter mit einem Gewinn von 1,1 Prozent auf. Research Partners hat den Titel auf Kaufen von Halten hochgestuft.

Idorsia fielen um 2,6 Prozent. Gewinnmitnahmen und die Angst der Anleger vor einer Kapitalerhöhung lasteten laut Händlern auf dem Kurs. Das Schweizer Biotech-Unternehmen will frühestens im kommenden Jahr den Kapitalmarkt anzapfen. Mit dem frischen Geld soll die spätklinische Entwicklung mehrerer Medikamente vorangetrieben werden, sagte Firmenchef Jean-Paul Clozel in einem Interview.

(reuters/ise)