Trotz Finanzkrise kämpfen die Londoner und New Yorker Börse weiter darum, Notierungen von Unternehmen aus den Emerging Markets an Land zu ziehen. Im Rennen um Emittenten aus Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) führt die Londoner Börse (LSE) und ihr Mittelstandssegment, der Alternative Investment Market (AIM), vor der NYSE Euronext. An Londons Hauptbörse, zusammen mit dem Professional Securities Market (PSM), sind 68 BRIC-Firmen gelistet, am AIM 121. Die NYSE Euronext verzeichnet 100 BRIC-Firmen. Die Kreditkrise hat zwar die Ausgabe neuer Aktien von Emerging-Markets-Firmen geschwächt, doch dank kurzfristigem Kapitalbedarf der Firmen und mangelnder Kaufgelegenheiten für Growth-Investoren zeigen sich wieder Zeichen einer Belebung.

So teilte das tschechische Steinkohlebergwerk New World Resources mit, dass es dank des Bookbuilding-Verfahrens die Roadshow für seinen 2,17-Mrd-Dollar-Aktienverkauf abkürzen könne. Mit seinem Dreifachlisting in London, Prag und Warschau zielt der Konzern auf eine breite Palette von Institutionellen und Kleinanlegern ab. «Mit einer Notierung in Übersee kann eine Schwellenländer -firma ihr Kapitalaufnahmepotenzial vergrössern, obwohl sich der heimische Markt noch entwickeln muss», so Cathy Kinney, verantwortlich für Global Listings an der NYSE Euronext.

Der Hauptunterschied zwischen der LSE und der NYSE liegt für Analysten in den Regulierungen. In New York müssen sich Firmen nach dem Sarbanes-Oxley Act richten. Laut Crocker Coulson, der chinesische Firmen bei US-Börsengängen berät, akzeptieren Schwellenländerfirmen aber die höheren Offenlegungsbestimmungen, weil sie so Zugang zu einem grösseren Anlegerkreis bekommen. Für kleinere Unternehmen sind die Bestimmungen jedoch eine Hürde – einer der Gründe, warum der relativ wenig regulierte Londoner AIM-Markt in den letzten Jahren so erfolgreich war.

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