Der erfolgsverwöhnten Hedge-Fonds-Branche droht das schlechteste Geschäftsjahr seit einem Jahrzehnt. Statt der prognostizierten Wachstumsraten um 50% für das aktuelle Jahr drohen heftige Verluste. Branchenexperten bezeichnen die Entwicklung der Hedge-Fonds bis Mitte 2008 als noch genügend, zuletzt sind viele Produkte jedoch eingebrochen. Von durchschnittlichen Verlusten im Bereich von 20% ist die Rede.

Die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sehen für die folgenden Quartale ein deutlich erhöhtes Risiko von Abflüssen aus Hedge-Fonds, weil Investoren, die mit der Performance unzufrieden sind, ihr Geld vermehrt abziehen könnten. Das könnte auch Auswirkungen auf Schweizer Vermögensverwalter haben.

Julius Bär trifft es am stärksten

EFG International verfügt mit Marble Bar über eine Tochter aus dem Hedge-Fonds-Bereich. Die Hedge-Fonds-Anbieter GAM von Julius Bär und Harcourt bei Vontobel liessen zuletzt aufhorchen. Die Bank Sarasin hat bereits im Oktober ihre beiden Funds of Hedge Funds geschlossen. Sie ist in diesem Bereich neu eine Partnerschaft mit Harcourt eingegangen.

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Auch diese Institute leiden unter der Marktkrise. «Julius Bär ist durch die Tochter GAM am stärks-ten von der Krise im Hedge-Fonds-Bereich betroffen», so ZKB-Analyst Andreas Venditti.

Kursverlauf ernüchternd

Die Aktienkurse der Vermögensverwalter sind zuletzt unter Druck geraten. Vontobel hat innerhalb des letzten Monats 25,7% verloren, während der EFG-Valor innerhalb des letzten Monats gegen 30% seines Werts abgegeben hat. Der Aktienkurs von Julius Bär schliesslich büsste in der gleichen Periode 36,8% ein. Mit einem Minus von 14,1% fällt der Verlust der Bank-Sarasin-Aktie vergleichsweise gering aus. «Das Risiko für Vontobel ist, durch die Hedge-Fonds-Tochter Harcourt, grösser als jenes für Sarasin», so Venditti.

Die deftigen Kursverluste sind für Branchenkenner jedoch übertrieben. «Vermögensverwalter sind überdurchschnittlich schwankungsanfällige Titel», erklärt der ZKB-Analyst. Sein Favorit bei den Schweizer Vermögensverwaltern ist derzeit die Bank Sarasin, da die Privatbank über das kleinste Hedge-Fonds-Exposure verfügt.

«GAM hat durch die Abhängigkeit von der UBS als Vertriebskanal Probleme, doch Marble Bar von EFG läuft sehr gut», ist Credit-Suisse-Analyst Thomas Kalbermatten überzeugt. Im 1. Halbjahr konnte der Vermögensverwalter EFG einen Neugeldzufluss von 14 Mrd Fr. verzeichnen, was optimistisch stimmt.

Schwellenländer entscheidend

Das Branchenwachstum fand jedoch zu einem grossen Teil in den neuen Märkten statt. Deshalb gilt für die gesamte Branche, dass die Entwicklung in den Wachstumsmärkten der Emerging Markets für die Zukunft entscheidend ist. «Wenn die Inflows aus Asien, dem Mittleren Osten, Osteuropa oder Lateinamerika nicht mehr kommen, dann kann das für alle Vermögensverwalter unangenehm werden», sagt Mathias Büeler, Analyst bei Landsbanki Kepler. Die aktuelle Marktentwicklung werde auch nicht hilfreich sein, neue Gelder anzuziehen.

«Die Industrie kann aus der ganzen Krise gestärkt hervorgehen, da alle, die auf der Bubble geschwommen sind, nun herausgeschwemmt werden», so Büeler.

Alle Banken seien mit einer guten Kapitalisierung ausgestattet. Dennoch ist für Büeler ein Einstieg zum jetzigen Moment eher ein Wetten auf den Bottom.