Unter angelsächsischen Banken und institutionellen Investoren wird der Autohersteller ironisch nur noch «Porsche Capital» genannt. Das liegt nicht nur am Standort der Finanzierungsgesellschaft in Irland. Der Hedge-Fonds-typische Zusatz wurde durch die jüngsten Halbjahreszahlen bestätigt: Lediglich 60 Mio Euro Gewinn kamen vom Verkauf von Cayennes und Carreras, 444 Mio Euro von der jetzt voll konsolidierten Beteiligung an Volkswagen. Porsche spielte aber 6,8 Mrd Euro durch Finanzanlagen ein und ist de facto eine Finanzboutique mit angeschlossener Edelkarrosseriespenglerei.

Dabei erwies sich besonders die Optionsstrategie um die VW-Aktie als besonders erfolgreich. Im Hedge-Fonds-Jargon wird diese als «Long-Short»-Strategie bezeichnet. Der einschlägige Tremont-Credit-Suisse-Index verzeichnete einen Rückgang um 16% und auch grosse Hedge-Fonds wie Fortress verloren Geld. Porsche hingegen verdiente viel Geld - und wurde aufgrund des «Short Squeeze» bei der Volkswagenaktie im letzten Oktober zum Feind der Eigenhandelsabteilungen etlicher Banken.

«Porsche Capital» ist jedoch - anders als viele Hedge-Fonds - durch die Volkswagenbeteiligung schlecht diversifiziert. Zudem ist Porsche durch die hohe Verschuldung von 9 Mrd Euro und die Zinskosten von 385 Mio Euro Gefangener der eigenen Strategie. Ein Verkauf der Volkswagenaktien könnte die bisher gemeldeten Buchgewinne obsolet machen. «Für Porsche wäre es wohl besser, den Volkswagen-Anteil nicht weiter zu erhöhen, sondern seine Bilanzverhältnisse in Ordnung zu bringen»», kommentiert Credit-Suisse-Analyst Arndt Ellinghorst. Eine vollständige Übernahme würde - inklusive Pensionskassenverpflichtungen - zu einer Gesamtverschuldung von 30 Mrd Euro führen. Ellinghorst hat sein Kursziel von 80 auf 60 Euro zurückgenommen und bleibt, wie etliche andere Analysten, bei seiner Kaufempfehlung. Skeptischer ist man bei Exane, wo das Kursziel aufgrund der hohen Zinslast bei 30 Euro liegt. Immerhin hat «Porsche Capital» eine neue Kreditlinie von 10 Mrd Euro erhalten. Das tiefste Kursziel kommt gegenwärtig von Morgan Stanley. Hier halten die Analysten einen Preis von 20 Euro pro Aktie für angemessen.

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