«Das Umfeld für die Hedge-Fonds-Industrie bleibt schwierig», sagt Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Am schlimmsten sei bisher die Performance im Monat September ausgefallen. Der schlechten Rendite folgten nämlich Rückzüge von Geldern. Viele Fonds sind deshalb gezwungen, ihre Positionen zu reduzieren. «Dies kriegen vor allem die Gottex-Aktien zu spüren, aber auch Julius Bär mit seiner Hedge-Fonds-Tochter GAM.»

Die auf alternative Anlagen spezialisierte GAM ist im Bereich Hedge-Fonds tätig, die rund 20% zu den Kundenvermögen des Vermögensverwalters beitragen. Auf der Aktie lastet zudem, dass der optimale Zeitpunkt für den angekündigten Börsengang der amerikanischen Vermögensverwaltungstochter Artio verpasst wurde.

Massiver Wertverlust von Gottex

Seit Jahresbeginn haben die Aktien von Julius Bär über 50% an Wert eingebüsst. Einiges härter hat es allerdings noch den Hedge-Funds-of-Funds-Anbieter Gottex getroffen: Die Titel haben in diesem Jahr bereits über 90% verloren, davon allein fast 40% an einem Handelstag. Gemäss der Gesellschaft musste ein grosser Investor Notverkäufe tätigen.

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Viele Investoren haben in der Folge das Vertrauen in den Spezialisten von alternativen Anlagen verloren. Zwei Gottex-Fonds halten Positionen von HedgeFonds, welche in die Bredouille geraten sind. Die Fonds standen in Beziehung zur Petters Group, einem Finanzierer von Bestellungsaufträgen, der nun vom FBI Betrug vorgeworfen wird.

Deshalb werden die Bestimmung des Inneren Wertes (Net Asset Value) des ABI Fund und die Rücknahme von Fonds-Anteilen vorübergehend ausgesetzt. ZKB-Analyst Venditti rechnet allerdings mit einem massiven Vertrauensverlust der Asset-Based-Investoren und mit massiven Abflüssen, sobald die Rücknahme von Fondsanteilen wieder möglich ist. Zudem schliesst er eine negative Wirkung auf die Investoren des wichtigsten Gottex-Fonds (Market Neutral) nicht aus.

Ein Unternehmenssprecher betont, dass bis anhin in diesem Vehikel im Vergleich zur Branche keine überdurchschnittlich hohen Mittelabflüsse zu verzeichnen gewesen waren.

Venditti hat die Schätzungen für die verwalteten Vermögen von Gottex deutlich gesenkt. Er stuft die Titel aber weiterhin mit «Marktgewichten» ein. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 3,9 für 2009 sei die Aktie optisch tief bewertet. Die Bewertung spiegle die grossen Unsicherheiten, die Finanzmarktturbulenzen und den schwierigen Ausblick für die Branche.

Mittel- bis langfristig sollte Gottex aber als einer der 20 weltweit grössten Fund-of-Hedge-Funds-Manager vom Trend zur Konvergenz zwischen traditionellen und alternativen Anlagen profitieren können. Die Gottex-Titel verlangen dem Anleger also noch einiges an Gelduld ab.