Weil die Schweizer Metallbaukonzerne ganz am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, traf sie die Krise besonders hart. Mit der anziehenden Konjunktur, die endlich auch die Autoindustrie beflügelt, sind nun aber auch die Frühzykliker wieder in die Gänge gekommen.

Auftragsbestand vervierfacht

Im Krisenjahr 2009 schrieb die an der SIX kotierte Schmolz + Bickenbach ? zum ersten Mal in der 50-jährigen Firmengeschichte - rote Zahlen: Die Umsätze gingen um 50% zurück, und der Verlust belief sich auf 276 Mio Euro. So schwer die Rückschläge auch waren, so rasch scheint sich Schmolz + Bickenbach zu erholen. Nach der Kurzarbeit im Vorjahr sind heute Temporärmitarbeiter angestellt, damit das Plus an Bestellungen - im 1. Quartal haben sich die Aufträge gegenüber der entsprechenden Periode im Vorjahr vervierfacht - überhaupt bewältigt werden kann. Vor diesem Hintergrund erwartet nicht nur die Konzernleitung ein deutlich positives Ergebnis für das laufende Jahr; auch der deutsche Staat, der dem Stahlkocher im April einen Kredit verbürgt hat, glaubt an die Firma. Dass der weltgrösste Stahlproduzent Arcelor Mittal - der gemeinhin als Stimmungsindikator der Stahlbranche gilt - gegenwärtig eine hohe Nachfrage vermeldet, dürfte zu diesem Schulterschluss ebenfalls beigetragen haben. «Kaufen» empfiehlt die Bank Vontobel mit Blick auf den bei 29 Fr. stehenden Aktientitel und misst dabei der Nachfrage der deutschen Automobilindustrie nach Spezialstahl grösstes Gewicht bei: «Uns gefällt an der Aktie, dass Schmolz + Bickenbach ein hohes Exposure an der deutschen Automobilindustrie hält. Vor allem im Mittel- und Oberklassensektor läuft der Autobau auf Hochtouren», sagt der Analyst Fabian Häcki. Und auch die steigenden Stahlpreise bewertet er positiv, da der Gewinn von Stahlproduzenten grundsätzlich steige, wenn die Rohstoffpreise anzögen. «Momentan ist die Nachfrage nach Stahl so hoch, dass Unternehmen wie Schmolz + Bickenbach befähigt sind, höhere Preise durchzusetzen», so Häcki. Schliesslich profitiere das Unternehmen insofern vom schwachen Euro, als sich jetzt mehr Menschen im Raum ausserhalb der Euro-Zone ein Luxusauto leisten könnten.

Nicht ohne Risiken

«Wir empfehlen», sagt Häcki, «die derzeitige Kursschwäche zum Aufbau von Positionen zu nutzen, und bestätigen unser Buy Rating bei einem Kursziel von 47 Fr.» Da der Stahlkocher verschuldet sei und also eine schwache Bilanz habe, die staatliche Subvention noch in Bearbeitung stehe und die Marge je nach Kapazitätsauslastung variiere, sei eine Beteiligung an Schmolz + Bickenbach aber nicht ganz unriskant. Der Aktientitel von Schmolz + Bickenbach hat innerhalb der vergangenen sechs Monate rund 11% wettgemacht ? ein moderater Anstieg, der für Einsteiger durchaus verheissungsvoll ist.

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Auch der Kupferproduzent Swissmetal will die konjunkturelle Erholung spüren. Die Firma mit Sitz in Dornach, die im anziehenden Automobilsektor, aber auch in der Elektronik-, Telekommunikations-, Luftfahrt-, Erdöl-, Schreibwaren- und Uhrenbranche ihre Abnehmer findet, verzeichnete im 1. Quartal dieses Jahres 44% mehr Aufträge als im 1. Vierteljahr 2009. Weil das Unternehmen von den starken Schwankungen der Kupferprämien weitestgehend unabhängig ist ? die Preise werden an die Abnehmer weitergereicht ?, rechnet die Konzernleitung für das laufende Jahr mit einer schwarzen Null auf operativer Ebene und einem Anstieg des Bruttobearbeitungsumsatzes von 20 bis 30%.

Träfen die optimistischen Aussichten ein, würde das den Umsatzeinbruch von 41% und die Versiebenfachung des Verlusts im Jahr 2008 vergessen machen. Ungeachtet der Hausse am Automarkt hat Swissmetal für die Zukunft noch ein Ass im Ärmel: Mit der Wärmegewinnung über kupferne Dachziegel und Fassadenelemente - das Energieprojekt trägt den Namen Atmova - soll dem Buntmetallproduzenten der Breakeven gelingen.

Laxey geht von Bord

Trotzdem zog es ein Grossinvestor vor, Swissmetal den Rücken zu kehren: Der britische Hedge-Fonds Laxey Partners hat letzten Mai angekündigt, seine Unternehmensbeteiligung von rund 33% zu verkaufen. Der Ausstieg brachte den Titel stark unter Druck seit Anfang 2010 resultiert ein Kursverlust von 23%, die Aktie ist nun bei 8 Fr. angekommen. Wer auf einen Turnaround wettet, kann also bei Swissmetal günstig einsteigen allerdings mit Risiko. Doch für Swissmetal-Produkte gehen einige auch höchste Risiken ein: Etwa jene Diebe, die der Firma jüngst Kupferrollen im Wert von mehreren 10 000 Fr. stahlen.