Während stürmischen Börsenzeiten sind defensive Titel aus dem Nahrungsmittelsektor bei Anlegern beliebt. Trotzdem brach der Aktienkurs von Nestlé Anfang Juni nach schlechten Zahlen bei CocaCola ein und verlor bis Mitte Juli 16%. Der Markt wurde durch die Befürchtung gelähmt, dass die hohe Inflation die weniger vermögenden Konsumenten abschrecken könnte. Auch andere Branchengrössen wie Danone, Kraft und Unilever wurden an der Börse abgestraft.

Nestlé mit defensiven Qualitäten

«Die Marktreaktion war völlig übertrieben», lautet das Fazit von Beatrice Kunz, Analystin bei Clariden Leu. Die Nestlé-Aktie hat sich seit Mitte Juli erholt und notiert bei 46.70 Fr. Die Aktie wird von den positiven Zahlen der Konkurrenten gestützt.

Danone verzeichnet laut Vontobel im 1. Semester in China ein Umsatzplus von 19% und in Russland von 27%. Die Emerging Markets haben sich als schnell wachsende Märkte erwiesen. «Immer mehr Menschen in den Schwellenländern können sich abgepackte Nahrungsmittel leisten und wollen nicht mehr auf diese verzichten», so Kunz.

Nestlé stellt am Donnerstag, 7. August, das 1.-Halbjahres-Ergebnis vor. Die Experten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erwarten auch für das kommende Halbjahr, dass sich Nestlé im schwierigen konjunkturellen Umfeld besser als der Gesamtmarkt schlägt. Nestlé leide, wie die Branche, etwas unter den Rohstoffkosten und einem negativen Währungseffekt, könne aber in den Schwellenländern und den USA wachsen. Restrukturierungen und Effizienzsteigerungen seien bei Nestlé weiterhin möglich, so Kunz.

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Das für 2009 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei niedrigen 13,6, der Food-Teil weist laut der ZKB ein 12-Monats-KGV von noch tieferen 12,1 aus. «Die Aktie ist unterbewertet, und der Preis wird sich erholen», ist Kunz überzeugt.Der Ausblick auf das Kerngeschäft von Nestlé ist positiv, jedoch sind einzelne Bereiche Unsicherheiten ausgesetzt. So haben in den USA verschiedene Bürgermeister einen Angriff auf die Mineralwassersparte (siehe «Handelszeitung» vom 9. Juli 2008) unternommen. Die enttäuschenden Zahlen von Kosmetikhersteller L‘Oréal, an dem Nestlé mit 25% beteiligt ist, haben sich jedoch weit stärker ausgewirkt: Sie liessen die Nestlé-Aktie um über 2% sinken. Die 52%-Beteiligung am Augenheilmittelunternehmen Alcon (16,1% der Börsenkapitalisierung von Nestlé) konnte jedoch positive Nachrichten liefern und ein überzeugendes 2.-Quartals-Resultat präsentieren. Auch andere Lebensmittelgrössen zeigen sich von ihrer Schokoladenseite.

Danone verzeichnete im Heimmarkt Frankreich Umsatzeinbussen (im 2. Quartal –5%), konnte aber in anderen Absatzmärkten weiter wachsen. Die Konsumenten hätten die Preiserhöhungen bei den Milchprodukten ohne weiteres geschluckt. Laut den Experten von ING ist es bei Danone im 2. Quartal gelungen, die positive Geschäftsentwicklung trotz ungünstiger Bedingungen fortzuführen. Aus der erhöhten Margenprognose könne man ablesen, dass die Integration von Numico, Hersteller von Baby- und Spitalnahrung, sich auf bestem Wege befinde. Clariden Leu glaubt, dass Danone mit der Numico-Übernahme die jährliche Wachstumsrate auf 15% steigern könne. Danone wurde von ING als «Buy» eingestuft.

Unilever enttäuschte Anleger

Auch das neulich präsentierte 2.-Quartals-Ergebnis von Lebensmittelhersteller Kraft fiel überzeugend aus. Die weltweite Nummer zwei im Lebensmittelbereich erreichte dank Preiserhöhungen ein Umsatzplus von 6,9% und steigerte den Quartalsgewinn um 3,5%. Die Gewinnerwartung stieg auf 1.92 Dollar pro Aktie.

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Für eine negative Überraschung sorgten allerdings die Halbjahreszahlen von Unilever. Der Kurs verlor 8%. «Hinter den augenscheinlich durchaus positiven Ergebnissen verbirgt sich eine sehr beunruhigende Situation, was die Qualität des Wachstums von Unilever angeht», erklärt Vontobel-Analyst Yann Gindraux und bekräftigt sein «Hold»-Rating. Das KGV für 2009 wird auf 12,4 geschätzt.