Vom Zwischenhoch Mitte Mai bei 7785 Punkten bis zum Jahrestiefststand im Juli (6422 Punkte) hat der Swiss Market Index (SMI) beinahe 18% verloren. Dann setzte eine Erholung ein, der erst in den letzten Tagen die Spitze gebrochen wurde.

Bewahrheitet sich das alte Börsensprichwort «Sell in May and go away, but remember come back in September» – zu deutsch «verkaufe im Mai und kehre im September an die Börsen zurück». Studien zeigen, dass in beinahe 70% der Fälle zwischen Oktober und April investiertes Geld eine bessere Rendite abwirft als im Sommer angelegtes Kapital.

Christoph Riniker, Aktienmarktstratege bei Julius Bär, ist skeptisch, dass dies schon der Beginn einer anhaltenden Erholungsphase ist. «Es sind derzeit zu viele Unsicherheiten vorhanden, wir sind nicht zu optimistisch», sagt Riniker. «Momentan befinden wir uns in einer Bear-Market-Rally, es dauert noch mindestens bis ins 4. Quartal, bis es besser wird», so der Julius-Bär-Mann. Beim momentanen Anstieg handle es sich um temporäre Kursavancen, die von einem erneuten Einbruch zunichte gemacht werden könnten. «Eine defensive Ausrichtung wird nicht falsch sein», empfiehlt deshalb Riniker den Anlegern.

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Anders sehen dies die meisten anderen Institute, so die Bank Sarasin. «Wir sind positiv gestimmt für die Aktienmärkte und denken, dass der SMI bis Ende Jahr auf über 8000 Punkte steigen wird», sagt Philipp Bärtschi, Analyst bei der Basler Privatbank. Das Kursziel für den SMI sieht er bei 8200 Punkten. «Es gibt Anzeichen, dass sich die US-Wirtschaft stabilisiert, und das Wachstum gegen Ende Jahr wieder anziehen wird», so der Sarasin-Experte.

Nestlé das Zugpferd

Nachgefragt bei Börsen-Experten, ergibt sich ein durchaus positives Bild für den Schweizer Aktienmarkt (siehe Tabelle). Neben Sarasin sehen auch die Research-Abteilungen von Credit Suisse und UBS einen Aufwärtstrend voraus. Nur Vontobel rät, den Schweizer Markt unterzugewichten. Trotz der schlechten Performance in China sind auch die Schwellenländer weiterhin gefragt. Als aussichtsreichster Sektor gilt zurzeit das Gesundheitswesen. Das drückt sich auch bei der Wahl der Einzeltitel aus. Medizinaltechnik-Unternehmen Synthes und Pharmakonzern Roche sind bei den Experten gefragt. Klar vorne liegt jedoch Nestlé. Credit Suisse ist überzeugt, dass die Bewertung von Nestlé derzeit einen Abschlag gegenüber dem Universum europäischer und globaler Lebensmittelhersteller beinhaltet. Lifesciences-Konzern Lonza und Sanitärtechniker Geberit sind weitere Aktien, die bei den Analysten Beachtung finden. Eher abgeraten wird bei Julius Bär von Titeln wie dem Biopharmaka-Hersteller Actelion, dem Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli und Raffineriebetreiber Petroplus.

Risikofreude kehrt zurück

Die Subprime-Krise werde noch für weitere Überraschungen sorgen, während Inflationsbedenken eher in den Hintergrund rückten, sagt Julius-Bär-Analyst Christoph Riniker. «Wir befinden uns sowohl in den USA als auch in der aggregierten Eurozone nicht in einer Rezession, sondern eher in einer Stagnation», so Riniker.

«Falls der Ölpreis weiter fällt oder zumindest nicht mehr im gleichen Tempo ansteigt, dürften sich die Inflationssorgen in Luft auflösen und die Zinserwartungen werden sich weiter beruhigen», so Philipp Bärtschi von der Bank Sarasin, und das «sollte die Risikofreudigkeit der Anleger wieder zurückbringen», ist er zuversichtlich.