Die Kursbewegungen der Aktien im S&P-500-Index glichen sich in den vergangenen Wochen immer mehr an. Ein derartiger Gleichlauf war seit mehr als 20 Jahren nicht mehr verzeichnet worden und er bereitet den Analysten Kopfzerbrechen. Nach Untersuchungen des Investmenthauses Birinyi Associates erreichte die synchrone Bewegung kürzlich einen Extremwert wie zuletzt im Oktober 1987.

Dieser Herdentrieb an den Märkten spiegelt den wachsenden Einfluss von Investoren wider, die auf Basis breiter Indizes handeln, statt einzelne Aktien auszuwählen und für einen bestimmten Zeitraum zu halten. Meist nutzen sie dabei börsengehandelte Fonds, kurz ETF, die sich auf Indizes wie den S&P 500 oder den Nasdaq 100 beziehen. Starker Handel bei ETF bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass viele Papiere sich stets in dieselbe Richtung entwickeln. Analysten bezeichnen das als positive Korrelation. Zum Ärger von Investoren, die Aktien sorgfältig nach ihren Stärken und Schwächen analysieren, nimmt die positive Korrelation zu.

Schwierig, sich abzuheben

«Das ist ein Indexmarkt, kein Aktienmarkt. An guten Tagen steigt alles, an schlechten Tagen fallen alle Kurse. Jeder spricht von Baskets oder Sektoren», sagt Jeffrey Yale Rubin, Research Director bei Birinyi. «Für einzelne Anleger, aber auch für Fondsmanager ist es schwerer, sich von der Masse abzuheben, indem sie einzelne Aktien auswählen. Sie können das richtige Produkt auswählen, den Ertrag richtig einschätzen, aber wenn der gesamte Markt nach unten geht, dann rauscht die Aktie ebenfalls mit in den Keller.»

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Birinyi misst jeden Tag die durchschnittliche 50-Tage-Korrelation zwischen der Entwicklung des S&P 500 und jener der darin enthaltenen Aktien. Es wird also untersucht, inwieweit der Kursverlauf einer Aktie dem des Index folgt. Eine positive Korrelation von 50% bedeutet, dass sich die Hälfte der im Index enthaltenen Aktien genauso wie der Index selbst entwickelt. Bei einer positiven Korrelation von 100% würden Index- und Kursentwicklung exakt gleich verlaufen. Seit 1980 lag die durchschnittliche Korrelation bei 44%. Zu beachten ist, dass es bei dieser Messmethode keine negative Korrelation oder eine Korrelation von null gibt. Denn wenigstens einige der im Index enthaltenen Aktien müssen sich in dieselbe Richtung bewegen wie der Index selbst. Und einige Papiere entwickeln sich fast immer in die entgegengesetzte Richtung wie das breite Börsenbarometer.

Anleger sind weniger mutig

Vor einigen Monaten, als sich die Kurse erholten und die Anleger wieder mutiger wurden, fiel die Korrelation zwischen dem S&P 500 und den darin enthaltenen Papieren auf einen Wert von unter 50%. Investoren suchten also offenbar nach einzelnen Werten, wollten nicht in grosse Indizes einsteigen. Aber bis Mitte Juni ist die Korrelation wieder auf über 70% angestiegen, weil Anleger aufhörten, nach einzelnen Gewinnertiteln zu suchen und stattdessen en gros verkauften.

Ein Rekordwert von 81% wurde schliesslich vor zwei Wochen erreicht. Normalerweise steigt die positive Korrelation während volatiler Phasen an den Märkten und spiegelt die Tendenz wider, dass Anleger Aktien lieber im Paket abstossen, als diejenigen zu behalten, die einst als sichere Häfen galten: Dividendentitel. Einige Analysten sind der Ansicht, die Kursentwicklung könnte noch geraume Zeit sehr volatil verlaufen. Ihre Empfehlung: Investoren sollten Papiere auswählen, die auch Dividenden bringen, und hoffen, dass diese mögliche Kursverluste ausgleichen.

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