Auf Azadpur, Asiens grösstem Grossmarkt für Gemüse im Nordwesten der indischen Hauptstadt Neu-Delhi, richten sich die Händler bei rekordhohen Temperaturen um 47 Grad auf weiter steigende Preise ein. Bereits in den letzten Monaten sind die Preise vieler Sorten um 50% gestiegen. Grund ist der Monsun. Der soll in diesem Jahr laut den Prognosen des indischen Wetteramtes im fruchtbaren Norden lediglich 81% der normalen Niederschlagsmenge bringen. Zudem kommt der Monsun in diesem Jahr verspätet, womit ein Teil des Saatgutes in der flirrenden Hitze vertrocknet, bevor der Regen einsetzt.

Agrarangebot unter Vorjahr

Auch an der indischen National Commodity and Derivatives Exchange, dem für Finanzinvestoren interessanteren Markt in Neu-Delhi, sind die Preise der Futures auf Sojabohnen, Sojaöl, Gerste, Pfeffer und weitere Agrarprodukte gestiegen. Händler erklärten, dass das Angebot ein Viertel unter dem des Vorjahres liegen wird. Und auch an den westlichen Soft-Commodity-Handelsplätzen sind die Preise einzelner Güter gestiegen. Der Preis für Sojabohnen legte seit März um 50% zu, Sojaöl ist auch nach der jüngsten kleinen Korrektur immer noch 20% teurer als im Frühjahr.

Im Gegensatz zum Rohöl bestimmt hier vor allem das Angebot den Preis. Die relativ unelastische Nachfrage spielt keine Rolle. Deshalb sind die jüngsten leichten Preisrückgänge eine Einstiegsmöglichkeit für risikofähige Anleger. Einige Emittenten haben Preis-Tracker auf diese Agrargüter auf den Markt gebracht. Diese beziehen sich indes auf die an der Warenbörse CBOE in Chicago gehandelten einschlägigen Futures. So gibt es für Sojabohnen die vier Preistracker SOYAA, SOYAQ, SOYME und SOYOE, das Bonuszertifikat SOYBA sowie die beiden Mini-Futures SOYTY und SOYMA. Die Preistracker werden gemäss der neuen Risikoklassifizierung des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte SVSP als «mittelhoch» eingestuft. Für Rohreis steht Anlegern mit RRICE ebenfalls ein Preistracker zur Verfügung und der Sojaölpreis lässt sich mit SOYBO mitverfolgen.

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Etwas weniger Kursrisiken haben die Soft-Commodity-Baskets, die von einigen Banken lanciert wurden. Allerdings müssen Anleger dann nicht nur den Monsun in Indien, sondern auch die Wetterentwicklung im Mittleren Westen der USA (für die Weizen- und Maispreise) und in Brasilien und Vietnam (für die Kaffeepreise) beobachten. Der Preistracker WSZMB ist in Euro denominiert und trotz der heterogenen Zusammensetzung liegen die aktuellen Preise 12% höher als im März. Ähnlich entwickelten sich die drei Index-Tracker RICAA, RICAC und RIAEU, die auf den Rogers-Soft-Commodity-Index lauten und sich nur durch ihre Währungen unterscheiden. RICAA wird vergleichsweise rege gehandelt. Die Spreads, die Differenzen zwischen Kauf- und Verkaufpreisen, liegen mit rund 0,5% bei diesen drei Trackern in einem vertretbar niedrigen Rahmen.

Nur eine untergeordnete Rolle spielen Soft Commodities in den grossen Rohstoffindizes und ihren darauf lautenden Derivaten. Grund ist hier die hohe Gewichtung des Rohöls. Zudem sind auch etliche Industrie- und Edelmetalle in diesen breiten Indizes enthalten. Deshalb zucken hier die Kurse kaum, wenn der Monsun in Nordindien zu spät kommt.