Zurück auf null heisst für die Anleger, die vor allem in Aktien investiert sind: Die ersten sechs Monate brachten unter dem Strich kaum Kursfortschritte, wenn Aktienindex-nah investiert wurde. Lediglich durch Stockpicking wäre mehr zu holen gewesen, aber diese Disziplin beherrschen nur wenige Anleger wirklich.

Unterschiedlich gut gehalten haben sich in diesem Umfeld auch die strukturierten Produkte. So verbesserte sich der von Scoach berechnete Garantieprodukte-Index seit Jahresbeginn lediglich um 2%, aber die Benchmark (DAX) fiel um 3%. Praktisch gleichauf wie der Index schnitten Discount-Produkte ab. Schlechter als der Vergleichsindex liefen die Bonus- und die Outperformancezertifikate. Wer quer durch alle Strukturen anlegte und wie ein statistischer Durchschnittsanleger die Hälfte des Geldes in Garantiezertifikate steckte, verlor zwar kaum Geld, aber ein Mehrwert ergab sich damit leider auch nicht.

Höhere Prämien bei Optionen

Einer der wichtigen Gründe dafür ist laut den Analysten von JP Morgan die höhere Volatilität der Aktienmärkte in Europa im 2. Quartal. Während die Staatsschuldenkrise - bisher - vor allem als europäisches Problem wahrgenommen wurde, stieg der Vstoxx, der die Volatilität der im Stoxx-Index zusammengefassten Aktien abbildet, stärker als der VIX, das Pendant zum amerikanischen S&P-500-Index. Wenn die Volatilität steigt, führt das auch zu höheren, in die Kauf- und Verkaufspreise eingebauten Prämien bei Hebelprodukten. Bei neu emittierten Produkten der Kategorien Reverse Convertibles oder Discount steigen dann die Coupons, weil die Optionskomponente aufgrund der höheren Volatilität teurer ist. Deshalb richtet sich das Augenmerk etwa der Analysten von JP Morgan bei ihrem Ausblick auf Derivateanlagen in der 2. Jahreshälfte speziell auf die Volatilität. Diese dürfte sich tendenziell eher wieder zurückbilden. Allerdings erwarten die Analysten auch länderspezifische Unterschiede, die vor allem auf die unterschiedliche Verschuldungssituation der Staaten zurückzuführen sind. Aus Deutschland beispielsweise kommen sowohl von der Konjunktur als auch vom Regierungsanleihen- und Aktienmarkt beruhigendere Signale als von den Handelsplätzen der Mittelmeerländer. Wenn sich die Volatilität auf ein Niveau zwischen 20 und 26% zurückbildet, fallen die Coupons für einige Strukturen optisch tiefer aus.

Anzeige

Basket nicht den Korb geben

Ebenfalls auf «normales» Niveau zurückgehen dürfte laut den Analysten die Korrelation. Diese ist wichtig für Multi-Asset-Produkte wie Multi-Reverse-Convertibles. Hohe Korrelation bedeutet hier, dass in ungleich zusammengesetzten Dreierprodukten alle drei Aktien massiv fallen, wenn es zu einem Aktienmarkteinbruch kommt. Eine tiefe Korrelation bedeutet dagegen, dass beispielsweise eine in einem Drei-Aktien-Produkt enthaltene defensive Aktie wie Nestlé deutlich besser abschneidet. Damit verbessern sich die Chancen der Anleger, dass ihr Kalkül bei einem «Best-of»-Produkt aufgeht, entscheidend.

Die Volatilität ist gerade bei Hebelprodukteanlegern für die Wahl ihrer Basiswerte entscheidend. In Phasen mit hoher Volatilität tendieren Investoren dazu, nur Calls und Puts auf Indizes zu kaufen, weil die gefühlten Schwankungen attraktiv sind. Wenn sich die Volatilität auf der Ebene von breiten Marktindizes beruhigt, werden stärker schwankende Einzelaktien als Basiswerte beliebt. Swiss Re, UBS, Credit Suisse und ZFS waren dieser Tage beliebte Basiswerte aus dem Finanzsektor. Ausserdem sind derzeit Hebelprodukte auf Roche und ABB gesucht.