Die Schweizer Börse hat am Freitag auf breiter Front zugelegt. Spekulationen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Anleger verstärkt nach Beteiligungspapieren greifen lassen. «Die EZB sorgt dafür, dass die Party weitergeht», sagte ein Händler. Der SMI legte 0,7 Prozent auf 8851 Punkte zu. Am Donnerstag war der Leitindex um mehr als zwei Prozent gestiegen.

EZB-Chef Mario Draghi hatte am Donnerstag gesagt, bei der Ratssitzung der EZB im Dezember werde geprüft, ob die Geldpolitik die Konjunktur ausreichend stimuliere. «Damit hat er die Tore weit aufgemacht», sagte ein Händler.

ABB und LafargeHolcim im Hoch

Die Renditen der Anleihen setzten ihre Talfahrt fort. Erstmals waren die Renditen bei zweijährigen italienischen Staatsanleihen negativ. «Das zeigt erst recht, es gibt keine wirkliche Alternative zu Aktien und ihren vielfach attraktiven Dividendenrenditen», sagte ein Händler. Die Anleger dürften die Jagd auf dividendenstarke Titel fortsetzen», sagte er.

Bevorzugt würden zyklische Werte wie die Aktien des Zementkonzerns LafargeHolcim, des Elektrotechnikkonzerns ABB und der Sanitärtechnikfirma Geberit, die rund 1,5 Prozent zulegten. Die als krisensicher geltenden Pharmatitel Novartis und Roche sowie des Nahrungsmittelkonzerns Nestle dagegen hinkten dem Markt hinterher und gewannen bis zu 0,7 Prozent.

Basilea profitiert von EU-Entscheid

Basilea rückten um ein Prozent vor. Die Europäische Kommission hat für das Medikament Isavuconazol den «orphan drug status» bestätigt. Damit kann die Biotechnologiefirma das Antipilzmittel während zehn Jahren exklusiv vermarkten. Basilea entwickelt den Wirkstoff zusammen mit Astellas Pharma.

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Im Aufwind waren die Bankaktien. Credit Suisse, die an den vergangenen Tagen im Zuge ihrer Strategiepräsentation unter Druck gestanden waren, rückten um 0,9 Prozent vor. Rivale UBS zogen um 1,5 Prozent an. Die Anteile der Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel legten mehr als ein Prozent zu.

Schindler leicht im Plus

Die Papiere von Schindler gewannen 0,3 Prozent. Der Lift- und Rolltreppenhersteller hat im dritten Quartal einen Gewinn von 195 Millionen Franken verbucht und damit mehr als von Analysten erwartet. Für das Gesamtjahr geht Schindler weiterhin von einem Umsatzwachstum zwischen sechs und acht Prozent in Lokalwährungen und einem Konzerngewinn zwischen 700 und 750 Millionen Franken aus. Händler sprachen von einem guten aber wenig spektakulären Ergebnis. «Solide wie gewohnt», sagte ein Händler.

Nach einer Kaufempfehlung der Credit Suisse gewannen die Aktien des Nahrungsmittelzusatzherstellers Evolva um mehr als fünf Prozent. Weiter unter Druck standen die Papiere von Kuoni mit minus 2,6 Prozent. Der Reisekonzern müsse nach dem Ausstieg aus dem traditionellen Reisegeschäft erst zeigen, dass die neue Strategie aufgehe, sagte ein Händler. Im laufenden Jahr hat der Titel bisher mehr als zwei Fünftel seines Werts eingebüsst.

(reuters/mbü/hon)