Die Volatilität, also die Schwankungsbreite von Basiswerten, spielt bei Hebelprodukten eine Rolle. Sie ist ein wichtiger Faktor für die Berechnung des Preises. Der häufigste Index für den Gesamtmarkt ist der VSMI, der die Volatilität der SMI-Werte abbildet. Grundsätzlich gilt: Bleibt die Volatilität unverändert und steigt der Basiswert, verteuern sich Call-Warrants - ausser kurz vor Laufzeitende - entsprechend ihrem Hebel. Umgekehrt fällt der Wert eines Puts gemäss dem Hebel. Ausnahmen sind die «Mini-Futures» - bei diesen speziellen Hebelprodukten ist die Volatilität vernachlässigbar.

Weiterhin hohe Volatilität

Marko Kolanovic, Analyst bei JP Morgan, erwartet in seinem Derivate-Ausblick für das kommende Jahr für Europa weiterhin eine hohe Volatilität. Damit bleiben Produkte wie die Discounter und die Reverse Convertibles attraktiv, weil hier der Retailanleger vom in das Produkt eingebauten Verkauf eines Puts an die Bank profitiert. Bei Hebelprodukten sind die Mini-Futures den Warrants vorzuziehen. Für sämtliche Produkte mit Knock-out-Schwellen und Barrieren gilt es, diese Puffer und Sicherheitsabstände vorsichtig zu wählen. Im Zweifelsfall heisst das, lieber etwas weniger potenzielle Rendite und dafür ein ausreichender Puffer.

Die Korrelation ist insbesondere bei den «Multi-Asset»-Produkten ein entscheidender Faktor, der über Gewinn oder Verlust entscheidet. 2007 und Anfang 2008 waren viele Produkte verkauft worden, bei denen drei Aktien gebündelt worden waren - beispielsweise Nestlé, Novartis und UBS. Bei den meistens verkauften «Worst-of»-Varianten bestimmt der Kursverlauf des am schlechtesten performenden Basiswertes den Wert des ganzen Produkts, und die Beimischung von Bankaktien erwies sich 2008 als sicherer Killer für diese Produkte. Was bei Einzelaktien Sinn macht, nämlich die Mittel zu verteilen, führte jetzt oft ins Desaster, weil während der Ausverkaufstage im Herbst alle Aktien - mehr oder weniger stark - und die zyklischen Aktien besonders massiv fielen. Die Korrelation erwies sich aber nicht nur zwischen Aktien als höher als erwartet, sondern auch «alternative» Anlagen wie Rohstoffe, speziell Gold, verbilligten sich deutlich. Laut Kolanovic hat die jüngste Krise gezeigt, dass die historischen Erfahrungswerte für die Korrelation oft nur noch unzureichend taugen. Anleger, die ihre Risiken beschränken möchten, sollten sich deshalb nicht auf traditionell niedrig korrelierende Anlageklassen beschränken, sondern grosse Positionen, etwa ein diversifiziertes Aktienportfolio, über Index-Puts, etwa auf die EuroStoxx-Indizes, absichern. Eine Alternative sind ETF in der «Short»-Version. Bis auf einige «Best-of»-Varianten sind die Multi-Asset-Produkte weiterhin nicht empfehlenswert.

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Hohe Dividende ist Trumpf

Die Dividendenhöhe schliesslich bestimmt den Spielraum, den Banken für die Finanzierung der Struktur und ihrer eigenen Risiken haben. Hier gilt: Je höher die Dividenden, desto mehr Spielraum für teure Strukturen wie einen Vollschutz. Wenn die Dividenden insgesamt niedriger ausfallen, lassen sich am ehesten noch Produkte mit Teilschutz finanzieren. Für einige jetzt tief gefallene Aktien wie beispielsweise die Grossbankentitel, die für dieses Jahr kaum und 2009 allenfalls eine deutlich niedrigere Dividende ausschütten dürften, werden Anleger kaum Einzelprodukte sehen, weil einfach die Dividende fehlt. Out sind ebenfalls komplexe, schwer verständliche Strukturen. Diese kosten meistens Geld - und die wichtigste Quelle, die Dividenden, ist versiegt.

Neben der Bonität der Emittenten wird auch die Liquidität der Basiswerte und des Sekundärhandels wichtig bleiben. Blue Chips erwiesen sich auch während der turbulenten Tage im Oktober als liquide. Für Nebenwerte gilt das nur mit Einschränkungen.