Diese Woche ist der Blick der Anleger erneut auf die Wall Street gerichtet. In den USA sind seit Ausbruch der Finanzkrise mittlerweile etwa 100 Banken in Konkurs gegangen. Dennoch ist der Blick auf die Quartalsresultate der grossen amerikanischen Bankinstitute heute bei weitem zuversichtlicher als noch vor einem Jahr, als die Finanzgemeinde rätselte, welche Banken wohl mit den grössten Milliardenabschreibern schockieren werden.

Die Nachwehen der Krise könnten den Banken noch zu schaffen machen, die schlimmste Zeit ist aber vorbei. Und trotz steigender Rückstellungen für Kreditausfälle und allfälliger negativer Überraschungen im Portfeuille für Gewerbeimmobilien dürften die Zahlen im 3. Quartal 2009 die Investoren zuversichtlicher stimmen und weiter ermutigen, in Bankaktien zu investieren.

Die Schere öffnet sich

In den Resultaten, welche die amerikanischen Banken in diesen Tagen veröffentlichen, wird sich auch zeigen, dass die relativen Gewinner der Krise weiter auf Kosten der schwächeren Konkurrenten Marktanteile gewonnen haben.

So rechnen die Analysten auch in diesem Quartal damit, dass die erstarkten Institute wie Goldman Sachs und JP Morgan an ihre im Vorquartal erzielten Gewinne anknüpfen können, während Citigroup und Bank of America auch im 3. Quartal weiterhin Verluste schreiben.

CS mit Milliardengewinn?

Und ähnlich dürfte es bei den Schweizer Grossbanken aussehen. Die Credit Suisse wird am 22. Oktober 2009 die Ergebnisse zum 3. Quartal vorlegen, die UBS folgt am 3. November 2009. Teresa Nielsen, Analystin der Bank Vontobel erwartet, dass die Grossbank Credit Suisse ihre Position im Markt weiter stärken konnte. «Die Bank hat in der Krise vieles richtig gemacht, das wird sich auch in den Resultaten zum 3. Quartal zeigen», so Nielsen.

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Die Analystin rechnet mit einem 3.-Quartals-Gewinn von 1,8 Mrd Fr. nach einem Gewinn von 1,6 Mrd Fr. im 2. Quartal: «Und auch wenn die Erwartungen an die Credit Suisse hoch sind, liegt noch eine positive Überraschung drin.»

Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), ist für die Zahlen der Credit Suisse ebenfalls optimistisch und erwartet im Vergleich zum 2. Quartal eine Steigerung des ausgewiesenen Reingewinns, «vor allem, wenn keine negativen Sonderfaktoren anfallen».

UBS: Bewertungsverluste

Der Grossbank UBS geht es heute besser als vor ein paar Monaten. Doch gerade diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass im 3. Quartal erneut ein kleiner Verlust entstanden sein dürfte. So hat UBS-Finanzchef John Cryan kürzlich die Investoren an einer Konferenz darauf vorbereitet, dass die Bewertungsverluste auf eigenen Schulden hoch ausfallen könnten. Nielsen rechnet mit einem Betrag von 1 Mrd Fr., womit unter dem Strich ein Verlust von 108 Mio Fr. verbleiben könnte.

Auch wenn die Quartalsergebnisse etwas eindeutiger ausfallen könnten als in den Monaten zuvor, die Feuertaufe für das operative Geschäft der Banken steht noch bevor. Noch immer beflügeln die weltweit tiefen Zinsen das Geschäft der Banken, die sich fast gratis Geld leihen können. «Erst wenn die Zinsen wieder normale Niveaus erreichen, wird sich zeigen, wie es um die operative Ertragskraft der Banken tatsächlich steht», sagt Venditti.

Generell wird am Markt erwartet, dass die Zentralbanken Mitte nächsten Jahres die Zinsen wieder erhöhen. «Die Aktienmärkte antizipieren dies etwa sechs Monate früher, sodass das Umfeld für die Bankaktien spätestens ab Anfang nächsten Jahres rauer werden dürfte», so Venditti. In diesem Jahr könnten die Banktitel aber in einem positiven Börsenumfeld ihren Schwung noch weiter fortsetzen.

Das Korsett wird enger

Das längerfristige Potenzial der Bankaktien wird auch von den neuen Eigenmittelvorschriften der Aufsichtsbehörden begrenzt. Die Banken müssen ihre Geschäfte künftig mit mehr Eigenkapital unterlegen, was ihre Erträge und damit ihre Gewinne in Zukunft schmälert. Schreiben die Banken kleinere Gewinne, ist auch das Kurspotenzial beschränkt.

Für die Aktien von UBS und Credit Suisse sieht Nielsen derzeit noch ein Aufwärtspotenzial von rund 9%. Sie hat beide Aktien auf «Halten» eingestuft. Insgesamt wird die Credit Suisse aber von den Analysten favorisiert. 60% empfehlen die Titel zum Kauf, 30% die Aktien der UBS.