So konzentriert sich die Nachfrage nach Geschäftsflächen und Industriebauten weitestgehend auf das Haupttal, während in den höher gelegenen Tourismusgemeinden der Bau von und der Handel mit Zweitwohnungen und Chalets floriert. Aufs Engste ist der Walliser Immobilienmarkt mit dem Bau, dem dominantesten Wirtschaftszweig des Wallis, verbunden.

Die Stärke der Walliser Bauwirtschaft hat ihren Ursprung in deren Aufgabe, die Infrastruktur für die wirtschaftliche Entwicklung des Rhonetals aus dem Boden zu stampfen. Flussverbauungen zum Schutz vor Hochwasser, Staudämme zur Nutzung der Wasserkraft, Ski- und Sportanlagen sowie Unterkünfte für ein Vielfaches der heimischen Bevölkerung müssen gebaut werden. Kein Wunder, steht der Walliser Immobilienmarkt oft unter Dampf. So auch in den letzten Jahren. Die fulminante Entwicklung seit 2004 gilt es nun in geordnete Bahnen zu überführen. Überhitzungstendenzen in den Feriendestinationen und ein drohendes Überangebot in den Oberwalliser Regionen, in denen eine stagnierende Bevölkerungsentwicklung einer hohen Bautätigkeit gegenübersteht, sind die Gefahren, die es zu beachten gilt. Die regionalen Unterschiede zwischen Ober- und Unterwallis sind dabei frappant. Vor allem auf die Unterwalliser Regionen Martigny und Monthey/St. Maurice wirkt ein hoher Siedlungsdruck aus der prosperierenden Genferseeregion ein. In den letzten zehn Jahren ist die Bevölkerung im Unterwallis jährlich um 1,3% gewachsen, beinahe doppelt so kräftig wie in der Schweiz. In den Tourismusdestinationen addiert sich zum Wohnraumbedarf der Erwerbstätigen der Run auf Zweitwohnungen, deren Nachfrage bis vor kurzem von drei Seiten angeheizt wurde. Zur guten Konjunktur und zur Nachfrage nach Wohneigentum von Ausländern gesellte sich mit der demografischen Alterung eine strukturelle Komponente. Denn die Baby-boomgeneration kommt in ein Alter, in dem der Wunsch nach einer Ferienwohnung in den Bergen aufkommt.

Zumindest die konjunkturellen Komponenten der Nachfrage haben sich mit der Krise jüngst stark abgekühlt, sodass der Blick auf die Angebotsseite wandert. Der Allgegenwärtigkeit der Bauwirtschaft im Wallis wohnt regelmässig die Gefahr einer überbordenden Bautätigkeit inne. In diesem Jahr läuft die Wohnungsproduktion noch auf vollen Touren. Der Wohnungsbestand dürfte um etwa 3500 Wohnungen oder rund 2% zunehmen.

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Beruhigung im Jahr 2011

Erst in den beiden letzten Monaten konnte bei der Zahl der baubewilligten Wohnungen eine markante Abkühlung beobachtet werden, sodass sich die Wohnungsproduktion nach einem nochmals überdurchschnittlichen 2010, das eine Entspannung am Wohnungsmarkt bringen wird, im Jahr 2011 wieder beruhigen dürfte.

Das ist deshalb wichtig, weil die Immobilienpreise in den letzten Jahren rascher angestiegen sind als die Einkommen und relativ hohe Niveaus erreicht haben. Gesellt sich zur derzeit nachlassenden Nachfrage ein grosser Produktionsüberhang, könnten die Preise stärker ins Rutschen geraten. Im Oberwallis sind mit Ausnahme der Region Visp die Preise im 1. Halbjahr bereits leicht gesunken. Im Unterwallis beschränkt sich der Preisrückgang vorerst auf das Einfamilienhaussegment. Vor allem im Bereich der Ferienwohnungen ist Zurückhaltung angesagt, haben die Preise in einigen Orten doch Niveaus erreicht, die nicht mehr als nachhaltig zu bezeichnen sind.