Einmal mehr macht Gold seinem Ruf als Fluchtburg in Krisenzeiten alle Ehre. Noch vor rund zwei Wochen erreichte der Goldpreis bei knapp 1250 Dollar pro Unze sein bisheriges Rekordhoch. Derzeit pendelt der Preis für das Edelmetall, das als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten gilt, um die 1200 Dollar pro Unze. Trotz den Höchstständen: Immer mehr Experten gehen davon aus, dass der Preis weiter steigen und bald neue Rekorde brechen könnte.

1600 Dollar je Unze

Die Analysten der Deutschen Bank haben ihre Goldpreisprognose für 2012 jüngst um ganze 60% von 1000 auf 1600 Dollar pro Unze angehoben. Damit liegen sie zwar etwa 25% über den durchschnittlichen Schätzungen. Doch auch Dominic Schnider, Rohstoff-Analyst der UBS, geht davon aus, dass der Goldpreis in den nächsten drei Monaten die Schwelle von 1300 Dollar pro Unze übersteigt und damit einen neuen Höchststand erreicht. Die 12-Monats-Prognose setzt er bei 1500 Dollar pro Unze. «Der Vertrauensverlust gegenüber der Europäischen Zentralbank wird sich nachhaltig auf den Goldpreis auswirken», erklärt Schnider. Denn damit sei die letzte Bastion der Preisstabilität gefallen, so der Experte. Wenn also die Ängste in Bezug auf den Euro nicht abnehmen, dann ist auch weiterhin mit einer stärkeren Nachfrage von Finanzinvestoren nach Gold zu rechnen.

Die ungewisse Zukunft der europäischen Leitwährung und die Krise in der Euro-Zone sind in der Tat Haupttreiber für das hohe Engagement in Gold. Noch gibt es keine klaren Anzeichen dafür, dass der Rettungsschirm das Vertrauen der Marktteilnehmer wiederherzustellen vermag. Mit dem hohen Verschuldungsgrad der EU-Staaten und den stattlichen Konjunkturpaketen steigt bei den Anlegern zudem die Angst vor Inflation. Dies ist ein weiteres gewichtiges Kaufargument für Gold, das als Rettungsanker gegen Geldentwertung gilt.

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Trotz diesen triftigen Gründen mögen Privatanleger noch zögern, bei den aktuellen Höchstständen Gold zu kaufen. Doch gemäss dem Rohstoff-Experten Schnider lohnt sich ein Einstieg noch: «Aufgrund der starken Preisschwankung empfehlen wir jedoch, bei Preisen unter 1200 Dollar pro Unze einzusteigen», präzisiert er.

Anlegern, die in Gold investieren wollen, stehen je nach ihrem individuellen Risikoprofil oder dem Anlagezweck verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Für pessimistische oder risikoaverse Anleger eignen sich Goldbarren am besten. «Wenn Gold als letzte Sicherheit in einem Weltuntergangs-Szenario gesehen wird, sollten Barren gekauft und bei der Bank in Einzelverwahrung hinterlegt werden», erklärt Schnider.

Andernfalls steht heute eine Vielzahl an Exchange Traded Funds (ETF) zur Auswahl. In der Schweiz sind die meisten mit physisch hinterlegtem Gold abgesichert. ETF bieten zudem den Vorteil, dass sie im Konkursfall der Anbieterin ein Sondervermögen bilden und damit keinem Emittentenrisiko ausgesetzt sind. Gold-ETF können heute mit oder ohne Währungsabsicherung bezogen werden (siehe Kasten).

Investieren in Goldförderer

Stark mit dem Goldpreis korreliert sind auch Goldminenaktien. So auch die Valoren des weltweit grössten Goldförderers Barrick Gold. Die kanadische Firma legte seit Jahresbeginn rund 8% an Wert zu. Über 70% der Analysten empfehlen den Titel zum Kauf. Die ebenfalls kanadische Goldcorp, der drittgrösste Goldproduzent in Nordamerika, hat seit Januar eine Performance von 10% erzielt. Gut 60% der Analysten empfehlen den Titel zum Kauf.