Der Containerfrachtriese A.P. Moller-Maersk musste in den ersten neun Monaten dieses Jahres kräftige Verluste hinnehmen. Die Seefrachtbranche erholt sich vor allem deshalb langsamer als der Handel von der Krise, weil die exzessive Kapazitätsausweitung der Flotten ihren Tribut fordert.

778 Mio Dollar Abschreibungen berichtete das Kopenhagener Unternehmen für die ersten drei Quartale 2009. Im Vorjahr machte das grösste Seefrachtunternehmen der Welt noch 3,5 Mrd Dollar Gewinn.

Erträge bröckeln an allen Fronten

Maersk geht in diesem Jahr aber von Abschreibungen in Höhe von 1 Mrd Dollar aus. «Das ist eine schlechtere Entwicklung im Containermarkt, als wir erwartet hatten», sagt Jacob Pedersen, Analyst der dänischen Sydbank. Auch die Erträge aus dem Handel mit Gas- und Öleinheiten setzt Maersk niedriger als im Vorjahr an.

Containermarkt und Konjunkturentwicklung sind oft eng miteinander verbunden, da 90% der Güter zur See bewegt werden, was momentan aber nicht der Fall ist. Während sich der Handel erholt und laut Internationalem Währungsfonds nach einem Einbruch von 11,9% im Vorjahr dieses Jahr bisher um 2,5% zugelegt hat, bleiben die Umsätze im Seehandel wegen gefallener Preise hinter diesen Zahlen zurück. So sanken laut Unternehmensangaben bei Maersk die Preise durchschnittlich um 32%. Das Handelsvolumen war dagegen nur 3% niedriger als im Vorjahr.

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Auf zu viele Schiffe gesetzt

Die Probleme von Maersk sind typisch für eine Branche, die Anfang dieser Dekade auf einen Handelsboom gesetzt hatte. Die grossen Seefrachtunternehmen bestellten so viele Schiffe, dass laut Analysten noch ein Äquivalent von rund 40% der momentanen Seehandelsflotte ausgeliefert werden müsse. Aber nicht nur Maersk erwartet Schwierigkeiten. Neptun Lines, der fünftgrösste Containertransporteur der Welt, schrieb im gleichen Zeitraum 636 Mio Dollar Verlust. Auch die deutsche Hamburger Hafen und Logistik AG wird 30% Umsatzeinbussen melden müssen.

«Der Markt kann das momentan nicht auffangen», kommentierte der Drewery-Analyst Philip Damas. «Im Containergeschäft verlieren die Leute gerade viel Geld.» Maersk-CEO Nils Smedegaard Andersen sieht auch für 2010 keine grosse Verbesserung der Lage.