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Kryptowährung
Höhenflug endet abrupt: Kursturz beim Bitcoin

Bitcoin-Darstellung
Bitcoin-Darstellung: Kryptowährung plötzlich auf Talfahrt.Quelle: Keystone

Vor Tagen war der Bitcoin noch mehr als 20'000 Dollar wert, jetzt der drastische Sinkflug innert Stunden.

Veröffentlicht am 22.12.2017

Absturz vor den Feiertagen: Die Kryptowährung Bitcoin ist vor Weihnachten kräftig unter die Räder gekommen. Nachdem ein Bitcoin noch vor wenigen Tagen für mehr als 20’000 Dollar den Besitzer gewechselt hatte, fiel der Wert der Cyberdevise am Freitag binnen weniger Stunden um mehr als 30 Prozent auf bis zu 10'900 Dollar. Der Kurs schlug über den Nachmittag wilde Kapriolen mit starken Schwankungen innert von Minuten. Timo Emden, Deutschland-Chef des Online-Brokers Daily-FX, sieht kurzfristig ein Ende des jüngsten Kaufrauschs: «Zahlreiche Privatanleger dürften sich in den letzten Tagen die Finger an digitalen Talern verbrannt haben.»

Ein konkreter Auslöser für den Ausverkauf war am Freitag zwar nicht zu erkennen. Allerdings hatten seit Anfang der Woche Notenbanker, Politiker und Aufseher mit teils drastischen Worten vor hohen Verlusten bei Spekulationen mit Bitcoin gewarnt, die besonders Privatanleger in den Ruin treiben könnten. Zudem sorgte der Verdacht auf Insiderhandel beim Cyber-Börsenbetreiber Coinbase für Verunsicherung. Die Handelsplattform stellte ihren Betrieb Mitte der Woche sogar teilweise ein.

HSBC geht auf Distanz

Entsprechend gross ist die Skepsis bei grossen Institutionen. Die Grossbank HSBC geht auf Distanz. «HSBC wird niemanden begleiten und unterstützen, der mit Bitcoin spekulieren will», sagte die Deutschland-Chefin der grössten europäischen Bank, Carola von Schmettow. «Weder verarbeitet HSBC Zahlungen in virtuellen Währungen noch übernimmt HSBC Bankdienstleistungen für Bitcoin-Börsen.»

Überraschend deutliche Worte hatte am Montag der dänische Zentralbankchef Lars Rode gefunden: «Bleiben Sie weg. Das ist tödlich!», hatte er in einem landesweit zu hörenden Interview mit dem Radiosender DR gesagt. Stimmen, die ein Verbot der Cyberwährung oder zumindest enge Grenzen für die Spekulation mit Bitcoin forderten wurden zuletzt immer lauter. Der Chef der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, warnte ebenfalls vor Verlusten, steht einem Verbot aber skeptisch gegenüber.

Bitcoin-Futures helfen bei der Etablierung

Vorläufiger Höhepunkt des Bitcoin-Hype war am Donnerstag die Ankündigung des US-Möbelhändlers Nova LifeStyle, künftig Bitcoin und andere Kryptowährungen regulär als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Die Aktie des Unternehmens katapultierte dies um 38 Prozent in die Höhe. Am Freitag berichtete die Finanzagentur Bloomberg, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs einen eigenen Handelsbereich für Kryptowährungen wie Bitcoin schaffen will. Ein Sprecher des Geldhauses erklärte: «Als Reaktion auf das Kundeninteresse an digitalen Währungen prüfen wir, wie wir dieses am besten bedienen können.»

An einigen US-Börsen sind mittlerweile Wetten auf Bitcoin über Terminkontrakte – sogenannte Futures – möglich. Damit etabliert sich die Internet-Währung immer mehr. Viele Experten sehen das kritisch, andere erkennen darin eher eine Möglichkeit, sich an den Finanzmärkten gegen den Bitcoin-Hype zu positionieren. Die meisten Fachleute erwarten bislang nicht, dass die Bitcoin-Euphorie bei einem Platzen der Spekulationsblase negativ auf die Volkswirtschaft durchschlägt. Auch HSBC-Deutschland-Chefin von Schmettow sieht dafür nur ein geringes Risiko: «Eine echte Krise infolge der Bitcoin-Spekulation ist eher unwahrscheinlich, dafür ist der Einfluss auf die Realwirtschaft zu begrenzt.»

Sorgen bereitet ihr allerdings, dass Bitcoin & Co für illegale Machenschaften missbraucht werden können: «Die Gefahr ist gross, dass Bitcoins für kriminelle Geschäfte im Darknet benutzt werden. Damit habe ich ein ernsthaftes ethisches Problem, denn das ist sicherlich nicht im Interesse der Gesellschaft«, so die Managerin und Kapitalmarktexpertin.

(reuters/mbü/me)

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