Alan Mudie ist Investmentchef bei der Genfer Vermögensverwalterin und Privatbank Union Bancaire Privée (UBP). Mudie warnt vor den Folgen einer Eskalation der Lage im Mittleren Osten für die Weltwirtschaft. Die Bank betreut zahlreiche Kunden aus dem Mittleren Osten und hat darum einen direkten Blick auf die Lage in der Region.

Wo sehen Sie derzeit die grössten Gefahren für die Investoren?
Alan Mudie: Am meisten Sorgen bereitet uns die Möglichkeit stark steigender Ölpreise bei einer Eskalation des Syrien- Konflikts. Syrien selber ist zwar nun ein kleiner Ölförderer. Aber aufgrund der politischen Verflechtungen in der Region befürchtet man nun Anschläge auf Pipelines, Förderstationen und die Transportwege rund um den Persischen Golf.

Wie hoch könnte der Ölpreis denn klettern?
Der Preis ist schon in den letzten Monaten deutlich gestiegen, insbesondere jener für die Nordsee-Sorte Brent. Wir betrachten die Energiekosten als eine Art Besteuerung von Unternehmen und Konsumenten. Im Extremfall könnte die Erholung der Weltwirtschaft gestört werden, die wir für das zweite Semester und für das Jahr 2014 prognostizierten. Dazu müsste der Ölpreis aber einige Zeit über 125 Dollar je Fass verharren. Damit rechnen wir derzeit nicht.

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Anderseits gibt es Stimmen, welche die Aktienkurse nach einer westlichen Intervention in Syrien steigen sehen. Was halten Sie davon?
Natürlich gibt es immer Stimmen, die dazu raten, beim Donner der Kanonen zuzukaufen. Meiner Meinung nach wäre es aber völlig absurd, angesichts der instabilen Lage im ganzen Mittleren Osten blind Anlageentscheide zu fällen.

Dabei gibt es Unsicherheiten genug, nachdem die amerikanische Notenbank Fed die Drosselung der Geldzufuhr in Aussicht gestellt hat. Bricht für die Finanzmärkte eine neue Ära an?
Ich würde eher von einer weiteren Phase in der Nach-Finanzkrisen-Zeit sprechen. Tatsächlich rechnen wir damit, dass die Fed noch diesen Monat eine Reduktion der Anleihenkäufe beschliesst – eine weitere Sondermassnahme in einer langen Reihe von Notaktionen seit 2010. Nun soll die Rückkehr zur Normalität beginnen.

Das billige Notenbankgeld hat die Märkte aufgeputscht wie eine Droge. Wir reagieren sie nun auf den Entzug?
Es war nur natürlich, dass die Fed einen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik ins Auge fasste – nur schon, um die Bildung neuer Finanzblasen zu verhindern. Übrigens hatte sie schon Ende letzten Jahres diese Möglichkeit diskutiert. Nun rückt der Augenblick näher, wo die amerikanische Wirtschaft ohne die Anleihenkäufe auskommen kann. Wir sind der Meinung, dass die Fed mit ihrer Kommunikation die Investoren ausreichend auf diesen Augenblick vorbereitet hat. Trotzdem ist künftig mit einiger Volatilität zu rechnen.

Aber es gibt auch Lichtblicke?
Unserer Meinung nach wird Europa bis Ende Jahr wieder zurück auf den Wachstumspfad gelangen. Das gilt insbesondere für Grossbritannien. Wir denken, dass das Land 2014 eines der am schnellsten wachsenden Industrieländer sein wird. Aber auch in Euro-Zone-Peripheriestaaten dürften Strukturmassnahmen nun zu greifen beginnen.

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Welche Investments empfehlen Sie Ihren Kunden in diesem Umfeld?
Seit 2012 raten wir zu einem Übergewicht in Aktien sowie zu Anleihen mit möglichst kurzen Laufzeiten. Wer diesem Rat folgte, konnte während jüngsten Korrekturen an den Obligationenmärkten seine Verluste begrenzen. Im Vorfeld zum Fed-Entscheid vom September empfehlen wir zudem, kurzfristige Kurskorrekturen für Zukäufe in Aktien zu nutzen. Interessant könnten in diesem Umfeld auch Wandelanleihen sein.

Und wie können sich Anleger vor einem allfälligen Syrien-Schock schützen?
Wenn sich die heutigen Befürchtungen bewahrheiten würden, dann würden wir zu einer Neugewichtung der Anlageklassen im Portefeuille raten. Im Fokus müsste dann der Aufbau von Cash-Positionen stehen.