Die SNB kann praktisch beliebig Geld drucken, um damit Euro zu kaufen. Dies hat sie in den letzten Monaten auch im grossen Stil getan. Im Zuge ihrer massiven Interventionen sind die Devisenreserven auf über 230 Mrd Fr. gestiegen, bei einer Bilanzsumme von etwa 300 Mrd Fr. Somit hält sie bereits mehr Devisenreserven als die Europäische Zentralbank.

Keine Deflationsgefahr mehr?

Durch die Geldproduktion der SNB entsteht allerdings ein Inflationsdruck. Und es besteht die Gefahr, dass die zu teuer gekauften Euro weiter an Wert verlieren und Verluste ausgewiesen werden müssen. Die SNB hat zwar Rückstellungen für Währungsreserven von rund 41 Mrd Fr. gebildet, aber der Sturz Richtung 1.32-Fr.-Marke hat bei den Euro- Beständen seit Jahresbeginn einen Buchverlust von mindestens einem Drittel der Rückstellungen verursacht.

Der Euro kann gegenüber dem Franken auch wieder stärker werden. «Natürlich kann die SNB umgekehrt argumentieren, aber man hat gesehen, dass die Argumentation zur Einstellung der Euro-Käufe doch rasch geändert hat und man nun keine Deflationsgefahren mehr sieht», sagt Thomas Steinemann, Chefstratege der Bank Vontobel.

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In ihre Absicherungsstrategie gibt die Nationalbank keine Einblicke. Laut Experten wird ein Teil des Währungsrisikos abgesichert, aber die SNB spricht nicht darüber, um den Märkten wiederum keine Signale zu geben, wie sie selber die Wechselkursentwicklung einschätzt. Die erworbenen Euro wurden in sichere Wertpapiere angelegt. Somit können Währungsverluste auch zum Teil mit den Erträgen aus Devisenanlagen kompensiert werden.Ohnehin sei die SNB ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet, um auch grosse Verluste auffangen zu können, betonte kürzlich SNB-Präsident Philipp Hildebrand. Die Leverage-Ratio betrage rund 25%. Doch diese Sicherheit ist trügerisch, denn Verluste müssen, soweit sie nicht durch Reserven aufgefangen werden, durch die Aktionäre, also Bund und Kantone, getragen werden. Und wie schnell das Eigenkapital wegschmelzen kann, hat die SNB in der Finanzkrise selbst hautnah bei den beiden Grossbanken erlebt. Schreibt die Notenbank riesige Verluste und fällt damit die Ausschüttungsreserve unter 5 Mrd Fr., könnten Bund und Kantone leer ausgehen.

Martin Schmid, Finanzdirektor des Kantons Graubünden, müsste in einem solchen Fall mit rund 40 Mio Fr. weniger Einnahmen kalkulieren und folglich das Budget des Kantons schmerzhaft kürzen. Aber auch für alle anderen Kantone machen die Ausschüttungen einen substanziellen Anteil der Einnahmen aus. «In der aktuellen Finanzsituation sind diese Einnahmen wichtiger denn je», so Schmid. Doch in erster Linie hat die Nationalbank ihren geldpolitischen Auftrag zu erfüllen. «Man darf sich nicht an diese sprudelnde Quelle gewöhnen», sagt Georg Hess, Finanzdirektor des Kantons Schwyz. Schon in der Vergangenheit habe es magere Jahre gegeben. «Die Kantone sind zwar die Eigentümer der Notenbank, sie sollten sich aber nicht in die Politik der SNB einmischen», so Hess.

«Das ist nicht schön»

Martin Gehrer, Finanzdirektor des Kantons St. Gallen, verfolgt die Politik der SNB dennoch genau. «Es ist sicher nicht schön, wenn die Gewinne der Nationalbank sinken», sagt Gehrer. Doch die Politik der Nationalbank sei gesamtwirtschaftlich richtig, und davon profitierten auch die Kantone. Die Ausschüttungsreserve ist mit 14,6 Mrd Fr. allerdings noch komfortabel. Bleibt dies so, schütten die Währungshüter gemäss Vereinbarung jährlich 2,5 Mrd Fr. aus. Davon entfällt ein Drittel an den Bund und zwei Drittel an die Kantone. «Wir haben keinerlei Signale, dass die geltende Ausschüttungsvereinbarung in Frage gestellt sein könnte », sagt Christian Wanner, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz und Finanzdirektor des Kantons Solothurn.

Die SNB sei in keiner beneidenswerten Lage: In erster Linie habe die SNB die Preisstabilität zu beachten. «Hier muss sie derzeit zwischen der Pest einer Deflation und der Cholera einer Inflation hindurchmanövrieren», so Wanner.

 

 


Wie die Grossbanken gegen die Nationalbank wetten

Die Nationalbank trifft im Kampf gegen den starken Franken nicht nur auf Hedge-Fonds, die gegen sie spekulieren. Offenbar mischen auch Eigenhandelsabteilungen von Grossbanken kräftig mit, wenn es um Spekulationen bei Währungen geht. Dies behaupten zumindest die Hedge-Fonds-Manager.

Doch dieser Eigenhandel wurde bei den meisten Grossbanken in den letzten Jahren deutlich reduziert. Die einzige Ausnahme bildet Goldman Sachs, wo weiterhin 10% des Gewinns aus dem Eigenhandel kommen. Eigenhandel kann dann problematisch werden, wenn einzelne Banken gegen die Währungspolitik ihrer Notenbanken handeln. Dabei genügt es, dass beispielsweise der Dollar gegenüber dem Euro einen robusten Trend entwickelt hat, um bei den spezifischen computergesteuerten Systemen entsprechende Kauf- und Verkaufstransaktionen auszulösen. Dieses «Momentum-Trading» bildet eine gängige Vorgehensweise bei Eigenhandelsabteilungen und auch Hedge- Fonds. Optisch sind laut Analysten diese Anteile jeweils relativ klein, aber weil sowohl Eigenhandel als auch Hedge-Fonds sehr aktive Käufer und Verkäufer sind, ist ihr Anteil auch im Devisengeschäft, beispielsweise beim Währungspaar Euro zum Franken, «nennenswert».

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Laut einem Finma-Sprecher werden die Eigenhandelsaktivitäten der beiden Grossbanken weiterhin beobachtet. Weder bei der UBS noch bei der Credit Suisse möchte man die Grösse oder Anteile der Devisen-Eigenhandelsaktivitäten kommentieren. (mn)