Die amerikanische Notenbank Fed kündigte das Ende der superexpansiven Geldpolitik an – und löste ein Beben an den Börsen aus. Wie tief fallen die Kurse?
Philipp Vorndran: Hat Ben Bernanke wirklich ein Ende seiner expansiven Geldpolitik angekündigt? Er hat angedeutet, dass man bei einer weiteren Verbesserung der Konjunktur darüber nachdenken wird. Auf alle Fälle mussten die Investoren erleben, dass temporär alle klassischen Korrelationen nicht mehr funktionierten – Aktien, Anleihen und Gold fielen gleichzeitig. Ein Horror für viele Manager von quantitativen Risiken. Per heute erscheinen uns Aktien dramatisch attraktiver als Anleihen. Auch der Goldpreis dürfte bei 1150 Dollar je Unze Boden finden.

Es scheint, die Anleger haben in den letzten Monaten blind auf die Notenbanken vertraut. Büssen sie jetzt dafür?
Investoren – wir auch – nahmen wohl an, dass die Realwirtschaft die tiefen Zinsen zwingend benötigt, um sich zu erholen. Mario Draghi hat das für die Euro-Zone erst Anfang der Woche wieder unterstrichen. Wie stark das Wachstum vom billigen Geld abhängt, zeigt nicht ­zuletzt der tiefe Fall der Schwellenland-Börsen. Die Notenbanken haben aber Angst vor einer Vermögenswerte-Inflation und haben deshalb die Tapering-Aussagen wohl mehr aus hygienischen Gründen getätigt. Sie wollten klarmachen, dass die Lockerungen keine Einbahnstrasse sind.

Stimmt das?
Wir können uns nicht vorstellen, dass die grossen Volkswirtschaften schnell wieder in Richtung Potenzialwachstum zurückfinden werden. Das Fed hatte auch in den vergangenen Jahren temporär den Fuss vom Gas genommen, um wenige Monate später wieder kräftig aufs Pedal zu treten. Viel deutet darauf hin, dass dies auch diesmal so kommen könnte. Ausserdem kündigte Japans ­Notenbank an, dass sie in den nächsten Jahren pro Jahr für 500 Milliarden Dollar Anleihen aufkaufen wird. Per saldo sieht das nicht nach Vollbremsung aus.

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Allerdings war es gerade die Furcht vor einer Kreditklemme in China, welche die jetzige Korrektur an der Börse mit auslöste. Ist dies das Ende des Schwellenland-Booms?
Was wir zuletzt sahen, war eine Repatriierung von Geldern aus Schwellenländern zurück in die Industrienationen. Kommt hinzu, dass diese Wachstumsmärkte stark überteuert waren – das haben wir unseren Kunden übrigens schon Anfang 2010 gesagt. Damals wollte es keiner hören.

Doch damals waren Sie zu früh mit dem Ausstieg, oder?
Es war grundsätzlich richtig, die Wachstumsstory zu hinterfragen. Die Outperformance der Schwellenländer endete Ende 2010. In vielen Staaten schlug sich das Wirtschaftswachstum nicht auf die Unternehmensgewinne ­nieder. Das sollte aber auch keinen wundern, denn in einer kommunistischen Volkswirtschaft etwa sind Arbeitsplätze wichtiger als die Rendite von Unternehmen. Bei allen, die vorbehaltlos an das Schwellenland-Wachstum glaubten, ist die Enttäuschung jetzt natürlich gross.

Kommt den Börsianern damit noch eine ihrer wenigen Wetten abhanden?
Tatsächlich waren wir vor zwei Monaten ziemlich nah am oberen Ende einer Risikoleiter angekommen. Nach der Finanzkrise flüchtete zunächst alles in die scheinbare Sicherheit von Staats- und Unternehmensanleihen. Als dort renditemässig alles abgegrast war, suchten die Investoren ihr Heil zunehmend in Immobilien und Edelmetallen. Schliesslich ­begann man wieder über Aktien nachzudenken. Es ist wie ein Heuschreckenschwarm, der angetrieben durch die hohe Liquidität eine Anlageklasse nach der anderen abgefressen hat.

Welche Investments sind denn noch nicht abgegrast?
Wie gesagt, ein breit diversifiziertes Portfolio erstklassiger Aktien bietet momentan die beste Entschädigung für eingegangene Risiken. Interessante Unternehmen sehen wir im Pharma- und Technologiebereich, attraktiv sind auch Zykliker von der Qualität einer Schweizer ABB.