Der wirtschaftliche Boom Indiens hat dafür gesorgt, dass die Reisetätigkeit in dem Land stark zugenommen hat. Doch zunehmend wird der Mangel an Hotelzimmern in den grossen Städten zum Problem. Denn das Land mit seinen 1,1 Mrd Menschen hat nur 86 000 Hotelzimmer zu bieten. Zum Vergleich: In den USA mit ihren 300 Mio Einwohnern gibt es mehr als 4,3 Mio Zimmer; allein in New York City fast 74000. Bei weiter steigendem Bedarf dürften 2010 nach Prognosen des indischen Tourismusministeriums 150000 Zimmer fehlen, um die Nachfrage zu decken.

Hier sehen indische und internationale Hotelketten ihre Chance. Marriott International plant bis 2011 24 Hotels auf dem Subkontinent, 75 Häuser über die nächsten sieben Jahre ist das Ziel von Hilton Hotels in Kooperation mit dem indischen Bauträger DLF Ltd. Und Starwood Hotels Resorts Worldwide will in den nächsten drei Jahren zwölf Sheraton- und Westin-Objekte bauen.

Zahl der Touristen verdoppelt

Die meisten Hoteliers haben ausländische Touristen und Geschäftsleute im Visier, die nach bezahlbaren Zimmern suchen. Nach Regierungsangaben hat sich die Zahl dieser Besucher in den vergangenen fünf Jahren auf 5 Mio fast verdoppelt. Auch die inländische Reiselust ist gewachsen. 2007 gab es immerhin 500 Mio einheimische Touristen. «Die Möglichkeiten sind hier unbegrenzt», schwärmt Koos Klein, Chef von Hilton Hotels im Asien-Pazifik–Raum. «Es kommt jetzt nur darauf an, wer zuerst zugreift.»

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Allerdings ist in den bevorzugten Stadtzentren Raum knapp, und viele Bauvorschriften machen dort die Errichtung grosser Hotels fast unmöglich. Als Anreiz für den Bau ausserhalb der Citys bieten viele indische Bundesstaaten Steuervergünstigungen. Das funktioniert. Bauträger und Hotelunternehmen gehen mit vielen ihrer Projekte an den Rand grosser Metropolen.

Beispiel: Westin New Delhi-Gurgaon. Das Hotel soll 2010 eröffnet werden und wird das erste Westin-Hotel in Indiens Hauptstadt sein. Aber es steht nicht in Neu-Delhi, sondern in Gurgaon – einer Satellitenstadt im Staat Haryana, etwa 24 km südlich der Hauptstadt und im üblichen Verkehrschaos bis zu zwei Stunden entfernt. Von den fünf für Neu-Delhi geplanten Hilton-Hotels liegt das stadtnächste in Saket, einem südlichen Vorort. Drei andere sollen in Dwarka gebaut werden, eine Stunde vom Zentrum, aber nur 15 Minuten vom Flughafen entfernt.

Das Gleiche in Mumbai, Indiens grösster Metropole und Wirtschaftshauptstadt. Abgesehen von einem «Four Seasons» im Zentrum der Stadt sind die wenigen Hotels in Bau entweder nahe beim Flughafen oder in den östlichen Vororten – in beiden Fällen mindestens eine Stunde Fahrt von der Innenstadt entfernt.

Auch an anderen Wirtschaftsstandpunkten sind Hotels geplant. Von den 14 Holiday Inns des Unternehmens InterContinental Hotels Group, die in Indien eröffnet werden, sind drei in Bangalore, einem Informationstechnologie- und Industriezentrum. Keines steht direkt in Neu-Delhi oder Mumbai.

«Wolkenkratzer» wären Lösung

Hauptproblem ist das teure Land. So zahlte die Leela Group aus Mumbai 2007 für 1 ha Land im Stadtzentrum 152,75 Mio Dollar. Damit sich das rentiere, so das Unternehmen, müsse man dort ein Premiumhotel bauen, in dem die Zimmer mindestens so viel kosten wie in einem Fünfsternhotel.

Hoteliers sagen, dass es durchaus einen Weg gebe, die teuren Landpreise auszugleichen: Wenn sie «Wolkenkratzer» mit genügend Zimmern bauen dürften. Doch die indischen Gesetze beschränken die Geschossflächenzahl in Citys strikt. Es gibt genaue Masszahlen, wie viel Geschossfläche in Relation zur Grundstücksfläche zulässig ist. Zwar hat die Entwicklungsbehörde von Delhi diese Masszahl für Hotels kürzlich auf 2,25 angehoben (ein Hotel kann also 225 m2 Geschossfläche pro 100 m2 Grundfläche bauen). Aber das ist immer noch ein sehr strenges Limit. Zum Vergleich: In Manhattans City liegt die Relation bei 15.