«Künftig sollen die Forschungskräfte zu 20 bis 30 Projekten anstelle von 150 Projekten gebündelt werden», erklärte Shane Robison, Chief Strategy und Technology Officer von HP, gegenüber der «Handelszeitung». Diese Mitarbeiter sollen in den 23 Zentren – das einzige in Europa steht im britischen Bristol – zu Teams zusammengefasst werden, die dann die fünf grossen Themen Datenanalyse, Internet-Dienste der nächsten Generation («Cloud»), Content-Transfer, Infrastruktur und Nachhaltigkeit bearbeiten. Ergänzt wird die neue Struktur um Kooperationen mit akademischen Einrichtungen, Risikokapitalgebern und Start-up-Firmen, um auch neuen Geschäftsmodellen und -Ideen von aussen offen zu stehen. «Wir wissen selber nicht, was das nächste ‹grosse Ding› der IT sein wird, aber wir möchten dabei sein», fasst Robison seine Strategie zusammen.

HP beschreitet damit einen Mittelweg zwischen IBM, wo (auch) Grundlagenforschung betrieben wird, und Dell, das weitgehend ohne Forschung auskommt. HP beschreitet auch einen Mittelweg zwischen den consumer- und marketinglastigen Forschungsabteilungen von Apple oder Sony und der auf die Firmenwelt ausgerichteten Forschung bei IBM und Accenture. Vor allem gegenüber den direkten Konkurrenten dürfte HP damit seine Position in den kommenden Quartalen, wenn die neue Strategie zu greifen beginnt, festigen. HP hat, im Gegensatz zur Konkurrenz, Mitte Februar überzeugende Zahlen vorgelegt. Im Gegensatz zum Rivalen Dell oder dem Netzwerkausrüster Cisco ist HP hinsichtlich der Kunden (je ein Drittel Firmenkunden, KMU und Privatkunden) und der globalen Ausrichtung (US-Umsatz lediglich 31%) viel ausgeglichener.

Die mit Abstand beste IT-Aktie

Die Stagnation bei Druckern und die Schwächezeichen bei US-Privatkunden konnten beim letzten Ergebnis mit dem Wachstum in anderen Segmenten und Regionen mehr als kompensiert werden. Der Umsatz lag mit 28,5 Mrd Dollar fast eine Milliarde über dem Analystenkonsens, der Gewinn pro Aktie 5 Cent über der Messlatte von 81 Cent. Das florierende PC-Geschäft (dreimal höheres Wachstum als der Gesamtmarkt) weist auf schwächere Marktanteile bei Dell hin, dem stagnierenden Druckgeschäft stehen zurückgehende Absatzzahlen bei Konkurrenten gegenüber, und dem Umsatzplus von 9% bei Firmenkunden haben die Rivalen Sun lediglich ein Nullwachstum und IBM einen Rückgang von 3% entgegenzusetzen. HP bleibt damit deshalb in den Augen vieler Analysten die mit Abstand beste IT-Aktie.

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