Letzte Woche hat die Finanzmarktaufsicht Finma grünes Licht gegeben, am 1. Dezember 2010 wird in Zürich die neue Niederlassung eröffnet. «Wir werden mit zehn bis zwölf Mitarbeitern starten», kündigt Alexandre Zeller, HSBC Country Manager Switzerland and CEO of HSBC Private Bank (Suisse), an.

Geleitet wird das neue Schweizer Firmenkundengeschäft von Roger Thomet, dem früheren Leiter Kapitalmärkte der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Die übrigen Angestellten stammten von Banken auf dem Finanzplatz Schweiz, aber auch HSBC-intern werde rekrutiert.

Zahlreiche Auslandsbanken, die in den letzten Jahren ihr Glück im Schweizer Geschäft für Firmenkunden versucht haben, sind erfolglos geblieben und haben sich bereits wieder aus dem Markt verabschiedet, der von UBS, Credit Suisse und der Zürcher Kantonalbank (ZKB) dominiert wird (siehe Text rechts). «Diese Player wollten die Schweizer Anbieter auf dem lokalen Markt konkurrenzieren, doch dies funktioniert nicht», ergänzt Alain Keir, HSBC Group General Manager for Europe and Global Co-Head of Commercial Banking. Denn es sei als internationale Bank unmöglich, im Inlandgeschäft besser als die lokale Konkurrenz zu sein, ohne grössere Risiken einzugehen oder beim Preis Zugeständnisse zu machen.«Wir verfolgen deshalb ein ganz anderes Geschäftsmodell und wollen die bestehenden Anbieter gar nicht in deren Heimmarkt konkurrenzieren», sagt Keir. HSBC bietet Dienstleistungen wie zum Beispiel Handelsfinanzierungen oder Cash-Management-Lösungen für Schweizer und ausländische Firmen in der Schweiz an, die sich verstärkt in Richtung der schnell wachsenden Schwellenländer orientieren. «Unser grosser Vorteil ist, dass wir im Gegensatz zu den Schweizer Grossbanken ein internationales Retail- und Corporate-Banking-Netz haben», sagt Keir.

Interessant sind für HSBC vor allem rund 3000 Firmen in der Schweiz, welche jeweils über 50 Mio Fr. Umsatz erwirtschaften, im Ausland investieren wollen und dafür einen internationalen Bankpartner brauchen.

«Unsere Kunden haben uns schon seit Längerem darauf angesprochen, somit ist der Aufbau des Corporate-Banking-Bereichs in der Schweiz eigentlich überfällig», sagt Zeller. Das Ziel ist, möglichst rasch profitabel zu werden. Mehr wollte er zu den Wachstumszielen der Sparte nicht sagen. Dass HSBC gerade jetzt das Firmenkundengeschäft aufbaue, habe nichts damit zu tun, dass sich die Gruppe nach der Datenklau-Affäre unabhängiger machen wolle vom Private Banking.

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Zur jüngsten britischen Steueroffensive gibt sich der CEO von HSBC Private Bank (Suisse) zugeknöpft: «Es scheint, als hätten verschiedene Länder eine Liste von gestohlenen HSBC-Kundendaten erhalten.» HSBC habe aber auf keine Art und Weise Steuerhinterziehung geduldet und arbeite diesbezüglich mit verschiedenen Behörden zusammen. Trotz dieser Kooperationen werde die Privatsphäre der Kunden vollständig geschützt. HSBC habe keine Anhaltspunkte, etwas falsch gemacht zu haben.

Trotz der Datenklau-Affäre konnte die Genfer HSBC Private Bank (Suisse) im 1. Halbjahr 2010 weitere Kundengelder anziehen: Der auf sehr reiche Kunden spezialisierten Privatbank flossen netto 4,9 Mrd Fr. an neuen Geldern zu, nach einem Abfluss von 4,1 Mrd Fr. im Vorjahr.