Der Hypothekenmarkt lockt derzeit mit Tiefstpreisangeboten. Dabei sind heute besonders die sehr günstigen Geldmarkthypotheken sowie kurzfristige Festhypotheken gefragt. «Variable Hypotheken finden kaum noch neue Abnehmer, da zum gleichen Zinssatz bereits mittelfristige Festhypotheken abgeschlossen werden können», sagt Diego Wider, Sprecher der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Doch nicht nur die kurz- und mittelfristigen Zinsen sind an einem Tiefpunkt angelangt. Auch die Preise für langfristige Fremdmittel sind für Immobilienbesitzer so günstig wie noch nie. So weist die Berner Kantonalbank (BEKB) zum Beispiel einen Richtsatz von 3,2% für eine 10-jährige Festhypothek aus. «Vor wenigen Wochen konnten zehnjährige Festhypotheken gar zu 2,6% abgeschlossen werden», weiss Comparis-Geschäftsführer Richard Eisler. Dabei handelt es sich um individuelle Angebote für «sehr gute Risiken», also Kunden mit entsprechendem Vermögen und einem guten Objekt, die deutlich vom Richtsatz der jeweiligen Anbieter abweichen.

Inzwischen scheint hier aber ein Boden gefunden zu sein. «Bei den mittel- und längerfristigen Festhypotheken ist ein moderater Anstieg in den nächsten Monaten denkbar», sagt etwa PostFinance-Sprecher Alex Josty. Comparis-Chef Eisler hat schon erste leichte Erhöhungen festgestellt. Die ZKB rechnet schliesslich bis Mai 2010 mit einem langfristigen Hypothekarzins von 3,9%. «Sollte sich die Weltwirtschaft schneller erholen, ist mit stärker steigenden Zinssätzen zu rechnen», so Raiffeisen-Sprecher Franz Wuerth.

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Der Markt wird zum Basar

Angesichts dieser Aussichten erstaunt es wenig, dass die Nachfrage nach Hypotheken derzeit unverändert gross ist. «Obwohl wir uns konjunkturell in einer Abschwungphase befinden und die Konsumentenstimmung schlecht ist, spürt der Hypothekarmarkt davon wenig», bestätigt Georg Söntgerath von der Credit Suisse (CS). Zumal der verstärkte Wettbewerb unter den Banken, der unter anderem durch die Rückbesinnung der Grossbanken auf den Heimmarkt sowie die hohen Geldzuflüsse bei den Kantonal- und Raiffeisenbanken enstanden ist, zu einem erhöhten Preisdruck geführt hat.

Von Dumping-Angeboten will UBS-Sprecherin Dominique Scheiwiller aber nichts wissen: «Wir haben unsere Preispolitik in den letzten Monaten nicht verändert und verzeichnen eine konstante Margenentwicklung.» Wie in der Vergangenheit führe man aber auch aktuell in verschiedenen Produktbereichen zeitlich begrenzte Aktionen durch. Und auch die ZKB wehrt sich gegen den Vorwurf, nur dank der Staatsgarantie ihren Kunden bessere Konditionen bieten zu können. «Obwohl als zusätzliches ‹Gütesiegel› nicht zu vernachlässigen, ist die Staatsgarantie nur ein Mosaiksteinchen im Wettbewerb», erklärt Wider.

Vom starken Wettbewerbsdruck und der aktuellen Marktsituation geht der Hypothekennehmer als Gewinner hervor. «Auf dem Hypothekarmarkt herrscht ein unverändert aggressiver Preiskampf mit teilweise ausgeprägter Basarmentalität», erklärt Josty. Schliesslich lassen sich im Gespräch mit den Finanzinstituten derzeit die besten Konditionen aushandeln. «In der Regel liegen die individuellen Angebote ein halbes Prozent unter den offiziellen Richtsätzen», erklärt Eisler von Comparis. Und sogar Abweichungen von bis zu 1% seien bei einer besonders hohen Tragbarkeit erzielbar.

Tragbarkeit nicht ignorieren

Ohnehin sollten sich die Immobilienbesitzer nicht von den tiefen Zinsen blenden lassen. «Wir legen ein besonderes Augenmerk auf die wirtschaftliche Tragbarkeit, da sich heute fast jeder eine Hypothek leisten kann», so Hanspeter Merz von der BEKB. Geprüft wird diese anhand von deutlich höheren fiktiven Hypothekarzinsen, um sicherzustellen, dass die Finanzierung einer Liegenschaft auch bei steigenden Zinsen gewährleistet ist. «Viele Kreditnehmer haben sich zudem mit mittel- und längerfristigen Fixhypotheken abgesichert und werden höhere Hypothekarzinsen erst mit Verzögerung zu spüren bekommen», weiss CS-Sprecher Söntgerath.