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Internet der Dinge
IBM und Samsung setzen auf Bitcoin-Technologie

IBM setzt für das Internet der Dinge auf die Bitcoin-Technologie.   Keystone

IBM und Samsung setzen auf die Bitcoin-Technologie. Nun suchen sie Hilfe beim Zuger Unternehmen Ethereum.

Veröffentlicht am 16.01.2015

Mit IBM und Samsung betreten zwei Schwergewichte der Tech-Szene die Bitcoin-Welt. Seit Monaten prüfen die Forscher der beiden Konzerne, wie sie gemeinsam die Bitcoin zugrunde liegende Technologie für sich nutzen können. Letztes Wochenende traten die Forscher an der Tech-Messe CES in Las Vegas vor das Publikum. Dabei wurde klar: Im Kern setzen sie auf das Wissen der in Baar ZG ansässigen Firma Ethereum.

Im Zentrum der Überlegungen der Konzerne steht das künftige Internet der Dinge. Damit meint man jene Phase in der digitalen Entwicklung, in der Geräte wie Autos, Kühlschränke, elektronische Türschlösser oder Strassenlaternen selbstständig mit anderen Geräten über einen offenen Informationskanal wie das Internet zu kommunizieren beginnen.

Zu hohe Kosten

In Ansätzen kommunizieren Maschinen heute schon miteinander. Flugzeugtriebwerke etwa liefern Leistungsdaten genauso automatisch weiter wie Überwachungsinstrumente im Gesundheitswesen. Aber in den Alltag sind autonom kommunizierende Geräte noch kaum eingedrungen. Schon gar nicht in die Konsumwelt. Und Geld verdienen lässt sich damit auch noch nicht. «Die Kosten und die Komplexität der meisten heutigen Lösungen verhindern das», urteilt IBM-Projektleiter Paul Brody.

Die bisherigen Ansätze weisen laut Brody konzeptionelle Mängel aus. So seien die Infrastruktur- und Unterhaltskosten von zentralisierten Clouddiensten und Serverfarmen zu hoch. Zudem fehle seit den Enthüllungen von Edward Snowden das Vertrauen in zentral orchestrierte Kommunikation über das bestehende Internet. Niemand möchte das Risiko eingehen, dass Kühlschränke gehackt werden und den Dienst quittieren, nur weil sie autonom per Internet mit dem Elektrizitätsversorger über den Strombezug verhandeln.

Schluss mit Zentralisierung

Doch das Internet der Dinge kommt trotz allem. Allein in den letzten Jahren haben sich die Geräte mit eingebautem Computerchip verzehnfacht, und die Anbindung ans Internet ist allgegenwärtig und günstiger geworden. Was IBM vorschwebt, ist der Bau eines sicheren Fundaments für die Kommunikation und Transaktionen zwischen den Geräten. Das Motto dabei: So wenig Zentralisation wie möglich.

Aus diesem Grund interessieren sich die Forscher für die Bitcoin-Technologie. Diese ist im Kern nichts anderes als eine durch viele Computer gesicherte Datenbank, die zuverlässig und unabänderbar zum Beispiel Transaktionen festhält. Die Bitcoin-Technologie braucht hierfür keine zentrale Instanz, keine zentralen Server, keine Zwischenhändler.

Für Brody und seine Leute ist das der Schlüssel zu einem erfolgreichen Internet der Dinge: Es gilt, die Konzerne beim Unterhalt und der Betreuung der Geräte nach deren Produktion zu entlasten und so viele Prozesse wie möglich zu dezentralisieren und so zu organisieren, dass die Geräte autonom funktionieren können.

Agenten mit Geldbörse

Hier kommt Ethereum ins Spiel. Die Entwickler des Startups haben einen Weg gefunden, wie man in einer solchen dezentralen Datenbank nicht nur Geldtransaktionen, sondern Programme speichern kann, welche dann von überall her aufgerufen werden können. Mit anderen Worten: Irgendwo im Internet warten unabhängige Programme, sogenannte Agenten, darauf, von anderen Computern aufgerufen zu werden. Diese Agenten können mit anderen Agenten oder Firmencomputern in Kontakt treten. Vor allem aber können sie mit kryptografischem Geld wie Bitcoin oder Ether umgehen.

Gerade die Kombination mit Finanztransaktionen eröffnet grundlegend neue Möglichkeiten. Eine naheliegende Anwendung ist etwa das autonome Verwalten der eigenen Rechen- oder Festplattenkapazität durch Computer. Dank der Vermittlung der Ethereum-Agenten können Computer ihre nicht benötigten Ressourcen etwa an andere Computer verkaufen.

Ein anderes Beispiel: Die relevanten Daten eines intelligenten Geschirrspühlers sind in der dezentralen Datenbank gespeichert: Vom Verkaufsdatum über Revisionsarbeiten bis zu Garantieregelungen. So könnte der Geschirrspühler bei Fehlfunktion zunächst selber eruieren, welches Teil kaputtgegangen ist. Dank Kommunikation mit einem entsprechend programmierten Agenten könnte er daraufhin autonom feststellen, ob das defekte Teil ersetzbar und erhältlich ist, und sogar Kontakt mit einer lokalen Reparaturfirma aufnehmen. Das alles wäre möglich mit nur einem Mindestmass von Aufwand für den Gerätehersteller.

Noch liegt die Umsetzung solcher Ideen in der Zukunft. Die Plattform von Ethereum etwa geht überhaupt erst im März live. Vieles ist Neuland. Sicher ist für IBM nur eines: "Wenn die Risiken durch andere Pioniere aufgelöst wurden, wird es zu spät sein, um den Rückstand auf die Marktführer aufzuholen", schreibt Brody in einem Grundsatzpapier. Mit Samsung jedenfalls hat IBM bereits einen mächtigen Hersteller von Geräten an Bord geholt, um in die experimentelle Phase eintreten zu können.

Zum Blog Bits & Coins

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