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Börseninterview
«Ich stehe Cannabis-Anlagen ablehnend gegenüber»

TORONTO, ON- OCTOBER 17  -  People gathered a 4:20 for a 420 celebration of legalization day of marijuana at Trinity Bellwoods  in Toronto. October 17, 2018.        (Steve Russell/Toronto Star via Getty Images)
Cannabis-Aktivistin: In Nordamerika ist eine blühende Cannabis-Industrie am entstehen.Quelle: Getty Images

Börsenexperte Christof Strässle sagt, wieso er bei Cannabisaktien zu Vorsicht rät - und erklärt, wie sich der Goldpreis entwickeln dürfte.

Von Marc Bürgi
am 11.01.2019

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Christof Strässle*: Der politische Cocktail sorgt für Unsicherheit bei den Anlegern. Per Ende März steht der Brexit an und das britische Parlament wird am 15. Januar über den Austrittsvertrag mit der EU abstimmen. Eine Zustimmung scheint ungewiss und die Gefahr eines «harten Bexit» ist real. Weiter ist der Handelsstreit zwischen den USA und China nicht beigelegt. Dies mit ungewissen Folgen für die Weltwirtschaft. In den USA gehen die Finanzmärkte mittlerweile davon aus, dass die Zinserhöhungspolitik der Fed dem Ende entgegen geht und im Jahr 2019 nur noch eine Zinserhöhung kommt. Europa seinerseits hat mit der geldpolitischen Straffung noch nicht einmal wirklich begonnen.
 

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Ich gehe davon aus, dass die Volatilität vorderhand bestehen bleibt. Dies mindestens bis zur Klärung der Brexit-Frage.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Dies hängt massgeblich davon ab, wie sich die politische Situation entwickelt. Der SMI hat im letzten Jahr die Rally des US-Aktienmarktes nicht mitgemacht. Umgekehrt musste der SMI im Quervergleich der letzten Monate aber auch nicht die gleichen Verlustbeiträge verzeichnen. Ich gehe davon aus, dass SMI-Investoren im Jahr 2019 ansprechende Dividendenrenditen erzielen. Die Preisphantasie beurteile ich mit Blick auf die Indexzusammensetzung jedoch als bescheiden.

Christof_Strässle
Christof Strässle ist Gründungs- und Managing Partner der Strässle Schumacher AG in Luzern. Strässle Schumacher ist spezialisiert auf unabhängige Vermögensberatung und strategische Finanzplanung.
Quelle: (C) Patrick Kaelin

Gold gilt als sichere Anlage in unsicheren Zeiten. Erwarten Sie mit Blick auf den globalen Handelsstreit und der schwächelnden Weltwirtschaft steigende Preise für das Edelmetall?
Gold rühmt sich als «Krisenwährung» und «Inflationsschutz». Derzeit leiden die Finanzmärkte jedoch nicht unter einer grundsätzlichen Vertrauenskrise, welche zur systematischen Flucht aus traditionellen Finanzanlagen führen würde. Vielmehr findet eine Anpassung der Investorenerwartungen hinsichtlich des Zinsniveaus und des Wirtschaftswachstums statt. Das Basisvertrauen in die Finanzmärkte beurteile ich als intakt. Da die schwächeren Wirtschaftsdaten zusätzlich den Inflationsdruck reduzieren, dürfte das weitere Kurssteigerungspotential des Goldes vom heutigen Niveau aus begrenzt sein. 

In Nordamerika ist Cannabis zum Geschäft geworden. Sind Investitionen in diese aufstrebende Industrie auch für hiesige Anleger eine Option?
In der Schweiz gilt Cannabis nach wie vor als illegales Rauschmittel – wie übrigens auch in Teilen der USA. Es bestehen daher erhebliche Reputationsrisiken und Rechtsunsicherheiten. Viele etablierte Banken meiden daher die Finanzierung dieses Sektors. Von einem ethisch-moralischen Standpunkt aus stehe ich Cannabis-Anlagen ablehnend gegenüber. Wäre dasselbe Unternehmen in der Schweiz domiziliert, würde man eine kriminelle Organisation finanzieren. Ich sehe Investitionen in das Cannabis Geschäft deshalb als keine valable Option.

In Frankreich reissen die Proteste der Gelbwesten nicht ab. Was bedeuten die politischen Proteste für die sechstgrösste Volkwirtschaft der Welt?
Die Situation in Frankreich bringt das Dilemma der «Reformunfähigkeit Europas» auf den Punkt. Man will den Ausstoss von CO2 begrenzen, ist jedoch nicht bereit den Preis für entsprechende Massnahmen zu bezahlen. Man will früher in Rente und überträgt immer mehr Aufgaben an den Staat, ist jedoch nicht bereit höhere Steuern zu entrichten. Frankreich befindet sich im Verteilungskampf um den vorhandenen Kuchen. Dieser wird nicht grösser. Der Status Quo wird zementiert. Ähnlich verhält es sich in vielen Ländern Europas. Stillstand bedeutet Rückschritt. Frankreich und auch Europa werden so in der globalisierten Welt weiter an Bedeutung verlieren.

Pensionskassen und andere institutionelle Anleger haben kräftig in den Schweizer Immobilienmarkt investiert. Wird sich dieser Trend fortsetzen? Und wenn ja, halten Sie ihn für problematisch?
Immobilien, insbesondere direkte Engagements, präsentieren sich als illiquide Anlage. Dies gilt es zu berücksichtigen. Institutionelle Anleger haben sich in den letzten Jahren der sinnvollen Maximalquote an Immobilienanlagen im Portfolio angenähert. Pensionskassen fokussieren sich zudem vornehmlich auf das Segment Wohnbau. Hier stiegen jüngst die Leerstände. Der Trend zu vermehrtem Immobilienbesitz von institutionellen Anlegern dürfte sich daher abschwächen.

 

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