Das war ein Schock und die Aktie von ifa Systems rauschte am Montag um bis zu 15 Prozent nach unten. Dem Kurseinbruch vorausgegangen war eine Meldung über Verzögerungen bei der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2016. Grund dafür waren Gespräche mit dem Hauptaktionär, der japanischen Topcon, hinsichtlich Ausgestaltung der Zusammenarbeit mit dem Mehrheitseigner. ifa Systems hält als Folge der Verhandlungen Auswirkung auf die Finanzkennzahlen 2016 und die Folgejahre für möglich.

Was auf den ersten Blick nicht sonderlich erfreulich klingt, könnte allerdings leicht erklärbar und ohne nennenswerte Effekte ablaufen. Denn gut informierte Kreise gehen davon aus, dass es sich bei den Gesprächen insbesondere um Bewertungsfragen von selbsterstellter Software handeln könnte.

Ifa Systems ist auf die Entwicklung von Software für Augenärzte und Augenkliniken spezialisiert und möglicherweise bilanziert das IT-Haus Eigenleistungen etwas konservativ. Würde dieser Posten mit mehr Gewicht in der Bilanz angesetzt, könnte der Gewinn tendenziell höher ausfallen.

Die strategische Zusammenarbeit verschafft ifa Systems hohes Potential

Der Kurseinbruch der letzten Tage könnte deshalb eine gute Gelegenheit zum Einstieg sein. Denn die ifa-Story ist sehr vielversprechend. Ende 2015 machte Topcon ein Übernahmeangebot für das IT-Haus zu 15,20 Euro je Aktie und hält inzwischen 50,1 Prozent der Anteile. Von Anfang an war eine verstärkte strategische Zusammenarbeit der beiden Unternehmen vorgesehen.

Langsam zeigen sich erste Kooperationserfolge. Bis Ende 2017 wollen ifa Systems und der milliardenschwere Grossaktionär ein global flächendeckendes Kooperations- und Distributionsnetzwerk aufbauen. Die kleine ifa Systems bekäme dadurch rasch globale Durchschlagskraft und die IT-Entwicklungen bieten deshalb mit der Unterstützung des grossen Partners reichlich Phantasie. Beispielsweise wurde erst vor wenigen Monaten die erste IT-Software von ifa in einer Klinik in Japan installiert.

Hochrentables Lizenzgeschäft

Wegen der noch niedrigen Umsatzbasis von ifa Systems könnte sich die Kooperation schon in wenigen Jahren enorm bemerkbar machen. Dennoch konnte ifa Systems seinen Umsatz auch so schon im vergangenen Jahr um 7,3 Prozent auf 8,9 Millionen Euro steigern. Wegen des hochrentablen Lizenzgeschäfts erzielt das Unternehmen hohe Margen vor Zinsen und Steuern von rund 30 Prozent und schaffte so 2016 ein operatives Ergebnis von 2,7 Millionen Euro.

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Bei einem geschätzten Ergebnis je Aktie von 1,0 Euro in 2017 gibt es den Titel nach dem Kursrückgang zum günstigen 11er-KGV. Die Phantasie aus der Zusammenarbeit mit dem grossen Partner ist damit überhaupt nicht mehr im Kurs drin. Auch haben viele Börsianer jetzt vergessen, dass Topcon erst Ende 2015 deutlich mehr für ifa geboten hat. Risikofreudige Anleger warten nicht die Vorlage der Jahreszahlen Ende August ab, sondern steigen schon jetzt ein.

ifa Systems AG
ISIN: DE0007830788
Gewinn je Aktie 2018e: 1,25 €
KGV 2018e: 9,3
Dividende/Rendite 2016e: 0,18 €/1,6%
EK je Aktie: 9,50 €
EK-Quote: 78,0%
KBV: 1,2
Kurs/Ziel/Stopp: 11,60/17,50/7,60 €

 

 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Seit dem Jahresbeginn erreicht das Musterdepot eine Performance von +13 Prozent, während der DAX stagniert. Seit dem Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +259 Prozent (DAX: +63 Prozent).