V iele Investoren fragen sich, warum einige Hedge-Fonds oder die US-Investmentbank Goldman Sachs schon wieder so viel Geld verdienen. Eine Antwort darauf ist: High Frequency Trading, der Börsenhandel mit superschnellen Computern. Allein in den USA werden die jährlichen Profite mit diesem Hochfrequenz-Handel auf 20 bis 100 Mrd Dollar geschätzt.

Über die Handelsgemeinde hinaus bekannt wurden die schnellen Computer, als letztes Jahr ein ehemaliger Goldman-Sachs-Mitarbeiter brisante Handelssoftware gestohlen hatte. Ansonsten sind die Highspeed-Computer weitgehend unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Heute werden in den USA bereits rund 70% des Börsenhandels von sogenannten High Frequency Traders getätigt, in Europa beläuft sich der Anteil auf etwa 50%.

Vermehrt kritische Stimmen

Der aktuelle Schritt in die neue Ära der sehr schnellen und hochmodernen Computer sei ähnlich wie der Übergang vom Parketthandel zu den elektronischen Handelssystemen, sagt Graham Dick, Head of European Business Development der alternativen Handelsplattform Chi-X. Zunächst könnten die Marktteilnehmer darüber besorgt sein, doch dann würden sie sehen, dass es nicht mehr sei als eine technologische Evolution. Tatsächlich gibt es verschiedene kritische Stimmen zum High Frequency Trading. Die ultraschnellen Handelssysteme würden auf Kosten der langsameren Investoren sehr hohe Gewinne einfahren. Die Handelscomputer können zum Beispiel Trends ausmachen, bevor diese von anderen Marktteilnehmern erkannt werden. Dem widerspricht Robert Iati, Global Head des Finanzberaters Tabb Group: «Die meisten High Frequency Trader handeln gegen andere superschnelle Händler.» Zudem würden die meisten Kritiker verkennen, dass die ultraschnellen Handelssysteme für zusätzliche Marktliquidität sorgten.

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Verantwortlich für diese Liquidität sind nicht nur die Eigenhandelsabteilungen der grossen Investmentbanken wie Goldman Sachs. Auch Hedge-Fonds handeln mit diesen Computersystemen, die in Sekundenbruchteilen Aufträge auslösen. Der Grossteil des Highspeed-Handels wird aber von spezialisierten Handelsfirmen getätigt (siehe Box).

Im Visier der Regulatoren

Auch wenn die Märkte mit den schnellen Computern effizienter werden, gibt es Grund zur Annahme, dass sie gleichzeitig auch volatiler werden und das System instabil machen können. Die Aufsichtsbehörden sind mittlerweile auch auf die schnellen Handelssysteme aufmerksam geworden. In den USA sorgten etwa Blitzaufträge für Unmut, mit denen die schnellen Computer die Zahlungsbereitschaft anderer Marktteilnehmer ausspionieren konnten. Diese sogenannten Flash Orders sind jetzt verboten worden. Weitere Vorstösse von Regulatoren drohen für die Händler aber nicht zum Spielverderber zu werden. «Ich glaube nicht, dass sie die Vorteile wegregulieren können, welche die Geschwindigkeit bietet», sagt Iati.

Paul Zubulake, Senior Analyst der Beratungsfirma Aite Group, erwartet aber durchaus Folgen einer strengeren Regulierung des Bereichs. So könnten etwa neue regulatorische Vorschriften wie die Short-Sale Rule für den schnellen Computerhandel kostspielig werden, weil die Algorithmen und Modelle entsprechend angepasst werden müssen. Ohnehin sei Geschwindigkeit allein kein Garant für erfolgreiche Börsengeschäfte. Ebenso wichtig ist nach wie vor, die richtigen Entscheidungen zu treffen, die Einflussfaktoren besser zu verstehen als andere und besser vorherzusehen, wie die übrigen Marktteilnehmer auf bestimmte Ereignisse reagieren werden.