Das Angebot war offensichtlich nicht süss genug: Der britische Schokoladenhersteller hat die Kaufofferte des US-Lebensmittelmultis Kraft Foods von 16,7 Mrd Dollar als zu niedrig zurückgewiesen. Das sahen auch die Aktionäre so. Nach Bekanntwerden der Absichten von Kraft schoss der Kurs der Cadbury-Aktie an der Londoner Börse um 40% in die Höhe; der Börsenwert lag in der Folge mit zeitweise über 800 Pence je Aktie deutlich über den vom US-Giganten gebotenen 745 Pence (13 Fr.). Bei Kraft, welche die Schweizer Toblerone produziert, sucht man nach dem Coup jetzt eine «einvernehmliche Lösung».

Leckereien für Warren Buffett

Dass der Coup kommen musste, darüber herrschte am Markt längst kein Zweifel mehr. Nach der Abtrennung von Getränkehersteller Schweppes präsentierte sich die Übernahme von Cadbury auf dem Servierbrett. Umso mehr, nachdem Marktführerin Mars den Kaugummiproduzenten Wrigley geschluckt und Nestlé letztes Jahr mit KitKat-Herstellerin Hershey Gespräche über eine mögliche Fusion geführt hatte. Wie die Kursausschläge bei Nahrungsmittelwerten weltweit zeigen, dreht sich jetzt das Karrussell um die noch zu Verkauf stehenden Süsswaren-Hersteller immer schneller. Und es sind gewichtige Namen, die hier mitreiten: Warren Buffett, der reichste Mann der Welt, ist Grossaktionär von Kraft und finanzierte schon Mars beim Wrigley-Deal.

Doch reitet auch Paul Bulcke? Der CEO des Schweizer Nahrungsmittelgiganten Nestlé schweigt zu einer möglichen Gegenofferte. Was die Analysten nicht daran hindert, genau diesem Ereignis eine Wahrscheinlichkeit von 40% zu veranschlagen. Diskutiert wird an den Märkten auch ein mögliches Zusammenspannen von Ex-Gesprächspartner Hershey - die Amerikaner übernähmen nach diesem Kalkül die Kaugummi-Divisionen, die Schweizer griffen sich die Schokolade. Was dafür spricht: Nestlé führte bis jetzt immer eine Marktführer-Strategie. Mit weniger als dem 2. Podestplatz begnügen sich die Veveyer selten. Kommt Kraft zum Stich, dann würde Nestlé im Süsswarenbereich nach Mars und Kraft-Cadbury auf den 3. Platz verwiesen. Ausserdem hat sich Cadbury in der Vergangenheit als wachstumsstark erwiesen, und Nestlé hat gerade ambitionierte Wachstumsziele präsentiert.

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Geht die Gesundheit vor?

Doch es gebe auch Gründe, die gegen eine Gegenofferte von Nestlé sprächen, sagt Patrik Schwendimann, Aktienanalyst bei der Zürcher Kantonalbank ZKB. «Nestlé will in den Bereichen gesunde Produkte und Premium expandieren. Cadbury mit seinen Massenprodukten in den Bereichen Schokolade und Süsswaren würde nicht zu dieser Strategie passen.» Deshalb sei es auch möglich, das Nestlé im Süsswarenbereich eine Zusammenarbeit anstrebe oder gar Teile verkaufe.

Wofür sich Bulcke letztlich auch entscheiden wird: Auch ohne Cadbury-Übernahme bleibt das Umfeld herausfordernd für Nestlé; ein Kauf der Aktie drängt sich demnach nicht auf. Auch Cadbury ist zu stark gestiegen, um jetzt noch viel Rendite zu bringen. Interessanter wären aus heutiger Sicht Engagements bei Lindt & Sprüngli sowie der französischen Danone. Beide Firmen pochen zwar auf ihre Unabhängigkeit, sind aber trotzdem begehrte Ziele für die Nahrungsmittelgiganten. Das wird Übernahmespekulationen in Gang halten - und ganz nebenbei hält der Anleger zwei exzellente Namen im Portefeuille.