Die Inflation ist zurück. In der Schweiz erreichte die Rate im Mai 2,9%, in der Eurozone liegt sie bei 4%. Noch höher liegt die «gefühlte» Inflation, wenn man Autofahrer befragt.

Mit der Rückkehr der Inflation erleben auch inflationsgeschützte Anlagen ein Revival. Ende der 90er Jahre wurden sie oft als «Linker» in Form von speziellen Obligationenfonds gepackt und verkauft. Wirklich erfolgreich waren diese Fonds aber nicht, wie ein längerfristiger Vergleich von Morningstar zeigt. Seit 2005 brachten die inflationsgeschützten Fonds einen Überschuss von 0,7%. Das liegt nicht nur an den teilweise happigen Management- und Verwaltungskosten. Fonds, die in inflationsgeschützte Obligationen anlegen, bieten die gleichen Vorteile wie die Direktanlagen, wenn der Markt die künftige Inflationsrate im Gegensatz zum Fondsmanagement unterschätzt. Dann wird der zusätzliche Zins nicht korrekt antizipiert. Wenn der Markt dagegen die zukünftige Inflation überschätzt, sind Linker zu teuer.

Dennoch hat sich laut einer Studie von Barclays das Volumen in den letzten drei Jahren auf über 1,6 Billionen US-Dollar verdoppelt. Anstelle der teuren Fonds kommen Banken jetzt mit schlanken strukturierten Produkten.

Neue strukturierte Produkte

Gleich zwei Banken bringen jetzt solche inflationsgekoppelte strukturierte Produkte auf den Markt. Merrill Lynch kommt mit einem kapitalgeschützten Inflation-Booster (VN 4360883). Dieses drei Jahre laufende Produkt ist in Franken denominiert, der Coupon besteht aus fixen 4,6% und einem Inflation-Booster. Dieser Booster wiederum errechnet sich aus der Differenz der über den Landesindex der Konsumentenpreise errechnete Werte 15 und 3 Monate vor Couponzahlungstag abzüglich 2,5% und ist prinzipiell nach oben hin «offen», wie ein Sprecher von Merrill Lynch auf Anfrage erklärte.

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Ein weiteres Produkt ist ein «Inflation-Linked EUR Bondbasket», den die Bank Vontobel als «Voncert»-Tracker-Produkt verbrieft hat (VN 434 7043). Dieser basiert auf fünf gleich hoch gewichteten Tripple-A-Obligationen; drei sind aus Frankreich (zwei davon Regierungsanleihen), die beiden deutschen Anleihen sind ebenfalls Bundesanleihen. Die Zinsen – ihre Höhe wird auf der Basis des CPI France Inflationsindex sowie des HICP-Eurostat-Index ermittelt – werden reinvestiert. Die Laufzeit des in Euro denominierten Anleihenkorbes ist fünf Jahre. Anleger können bei diesem Produkt direkt in einen der fünf Basiswerte investieren. Die Streuung von fünf Obligationen ist ebenfalls leicht replizierbar, um die gleichen Risikodiversifizierungseffekte wie bei diesem Produkt zu erzielen.

Erste Bewährungsprobe

Es ist noch etwas zu früh, abzuschätzen, ob und wie gut sich diese neuen Produkte über einen ganzen Zinszyklus halten werden. Erste Erfahrungen mit Produkten, die seit einigen Wochen in Deutschland erhältlich sind, zeigen ein uneinheitliches Bild. Der beliebteste Basiswert der hier verbreitet als Garantiezertifikate ausgestalteten Produkte ist der HICP-Index, ohne Tabakaktien. Vier von Morgan Stanley emittierte Produkte stagnierten seit der Lancierung vor einigen Wochen, eines von JP Morgan ist erst seit Tagen auf dem Markt und pendelt bei der 98%-Kursmarke und ein letztes Produkt von ABN Amro verlor in den ersten vier Wochen 5% seines Wertes, bevor in den letzten Tagen eine kleine Gegenbewegung eingesetzt hat. Gerade hier wäre theoretisch eine Parallelbewegung mit dem Zinsanstieg der jüngsten Vergangenheit zu erwarten gewesen. Garantien gelten, wie immer, lediglich auf den Verfall (April 2013). Während der Laufzeit können die Preise auch einmal unter 100% des Nennwertes fallen.