Halliburton-Chef David Lesar lässt der Preisrückgang kalt. «Unsere Kunden kalkulieren bei ihren Investitionen mit einem wesentlich niedrigeren Preis und machen ihre Bereitschaft, in langfristige Projekte zu investieren, nicht von kurzfristigen Schwankungen des Ölpreises abhängig.»

Einer der attraktivsten Sektoren

Der US-Konzern ist der zweitgrösste Dienstleister der Ölmultis. Lesar rechnet nicht mit negati- ven Einflüssen auf Halliburtons Auftragslage. Öl ist noch immer 40 Dollar teurer als im Vorjahr.

So billig wie selten sind dagegen die Aktien von Halliburton, Schlumberger und anderen Öldienstleistern. Die Sorge der Anleger um die negativen Auswirkungen der heftigen Ölpreiskorrektur löste bei den Papieren eine ähnlich starke Talfahrt wie beim Ölpreis aus und hat das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) deutlich unter das historische Niveau gesenkt. «Damit ist die Branche jetzt einer der attraktivsten Sektoren im S&P 500 Index», sagt Goldman-Sachs-Analyst Charles Minervino.

Den Aktien der beiden grössten Akteure im Dienstleistergeschäft, Schlumberger und Halliburton, traut Minervino deshalb mehr als 30% Kurspotenzial zu. Und selbst bei einer weiteren Korrekturwelle im S&P 500, dem Index der 500 grössten börsennotierten US-Konzerne, sind Öldienstleis- ter abgesichert. Denn gegenwärtig werden die Papiere der Konzerne mit mehr als 10% Bewertungsabschlag auf den S&P 500 gehandelt – trotz solider Perspektiven: 28% mehr Gewinn 2009 und 17% mehr Gewinn 2010.

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Bessere Aussichten haben die grossen, international aufgestellten Servicekonzerne, weil Ölmultis mit der Zunahme aufwendiger Erschliessung von Öl und Gasreserven häufiger Aufträge nach draussen vergeben.

Im 2. Quartal stieg Halliburtons Umsatz ausserhalb der USA um mehr als 25%, aber auch in Nordamerika waren es 14% mehr. «Zum ersten Mal in den vergangenen Jahren», sagt US-Fondsmanager David Pickering, sei die Nachfrage im Dienstleistergeschäft sowohl international als auch in Nordamerika stark. Im Umfeld starker Preisschwankungen des Ölpreises seien die Aktien der Dienstleister im Vergleich zu den Papieren von Ölmultis die bessere Alternative. Da- zu Pickering: «Wenn der Öl- preis um 25 Dollar sinkt, fallen die Einnahmen der Ölmultis, jene der Dienstleister bleiben gleich.»

Günstigeres Öl ändert nichts

Erst wenn ein Barrel Rohöl weniger als 80 Dollar kosten sollte, erwarten Branchenexperten negative Auswirkungen auf die Erträge der Dienstleister. Denn an der grundsätzlichen Situation der Branche hat der günstigere Ölpreis nichts geändert. «In den meisten der aktuellen Projekte sind Öl- und Gasreserven schwieriger zu erschliessen», sagt Halliburton-Chef Leser. Es gehe meistens um schweres Öl, hohen Druck und hohe Temperaturen.

Dazu kommt die zunehmende politische Instabilität in Schwellenländern. Beide Faktoren drängen westliche Ölkonzerne zu mehr und teuren Investitionen in politisch stabilen Regionen.

Grosse mit Preismacht

Ein politisches Handicap, abgesehen von aktuellen Ausnahmen wie Iran, haben Dienstleister im Vergleich zu den Ölmultis nicht. Im Markt für Technik zum Bohren, Bewerten und Erschliessen von Öl und Gasfunden kontrollieren drei Konzerne 67% des 65-Mrd-Dollar-Markts: Baker Hughes, Halliburton und Noble Corp. Durch die Preismacht der grossen Drei ist die Profitabilität höher als in anderen Segmenten.

In diesem Markt sind nach Schätzungen von der Goldman-Sachs-Analysten im Durchschnitt 14% Kapitalrendite möglich. Im 30-Mrd-Dollar-Markt für Bohrplattformen dagegen, wo die grössten Drei 48% der Umsätze haben, liegt die durchschnittliche Kapitalrendite unter 10%.