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Entwicklung
Boom ist Vergangenheit

Toni-Areal Pfingstweidstrasse in Zürich
Toni-Areal Pfingstweidstrasse in ZürichBild: Betty Fleck ©Zürcher Hochschule der Künste

Der Aufschwung am Schweizer Immobilienmarkt hat sich abgekühlt. Bei den Wohnungen gibt es zunehmend Leerstände. Der Büroflächenmarkt rutscht abwärts. Doch ein Crash wird nicht erwartet.

Von Roberto Stefano
01.10.2014, Aktualisiert am 09.10.2014

Der Schweizer Liegenschaftenmarkt steht an einem Wendepunkt. Nach dem Boom der vergangenen Jahre zeichnet sich eine Richtungsänderung ab. Der Preisanstieg hat sich abgeflacht. Diesmal ist selbst der Wohnungsmarkt betroffen. Die Leerstände, insbesondere im Luxusbereich, sind in diesem Segment zuletzt stark angestiegen. Die Käufer sind nicht mehr bereit, jeden Preis für ein Objekt zu bezahlen.

Die Abkühlung am Immobilienmarkt hat dazu geführt, dass die Sorge um ein Platzen der Immobilienblase zuletzt zurückgegangen ist, wenngleich sich der UBS-Immobilienblasenindex nach wie vor in der Risikozone befindet. Laut mehreren Immobilienexperten sind Anzeichen für einen Crash derzeit nicht auszumachen. Zumal die steigenden Preise der vergangenen Jahre durch eine erhöhte reale Nachfrage getragen wurden.

Zu einer Beruhigung am Wohnungsmarkt haben unter anderem die im Juli 2012 eingeführten Regeln zur Finanzierung von Wohneigentum beigetragen. Auch die seit Anfang September 2014 geltenden Selbstregulierungsmassnahmen der Banken dürften abkühlend wirken. So fordern die Finanzinstitute beispielsweise mindestens 10 Prozent Bargeld. Zudem haben sie die Vorschriften bei der Amortisation der Kredite verschärft.

Die Gefahr eines Crashs bleibt aber bestehen. Mehrere externe Faktoren könnten einen Preissturz auslösen. Zu denken ist an eine konsequente Umsetzung der Zuwanderungsinitiative, welche die Nachfrage nach Wohnraum reduzieren könnte. Spürbare Auswirkungen hätte auch ein striktes Verbot des Pensionskassenvorbezugs. Vor allem aber ein kräftiger Anstieg der Leitzinsen würde den Immobilienmarkt erschüttern. Davon ist aktuell allerdings nicht auszugehen.

Noch präsentiert sich der Wohnungsmarkt in einem robusten Zustand. Der ­Büroflächenmarkt dagegen rutscht, ins­besondere im Raum Zürich, zunehmend tiefer in die Abschwungphase. Die Leerstände nehmen zu. Alleine in der Stadt Zürich standen Mitte Jahr 265 000 Quadratmeter Bürofläche leer, gut 10 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das Angebot übersteigt die Nachfrage deutlich, und noch immer werden neue Objekte, wegen der niedrigen Zinsen und der langen Planungsphasen, «auf Halde» gebaut. Kein Wunder, dass die Preiserwartungen für die kommenden zwölf Monate für Büroliegenschaften laut den professionellen Akteuren am Schweizer Markt entsprechend deutlich rückläufig sind. Befürchtet wird, dass aufgrund einer verstärkten Regulierung und der politisch geänderten Rahmenbedingungen weniger ausländische Unternehmen in die Schweiz zuziehen.

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