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Eigentum
Das Ende der tiefen Hypozinsen

Eigenheim: Die beiden beliebtesten Laufzeiten sind wieder so teuer wie vor einem Jahr.  Fotolia

Die Zeit der ultrabilligen Immobilien-Finanzierung ist vorbei. Die Banken erhöhen die Preise für Hypothekarkredite wieder.

Von Pascal Meisser
am 20.05.2015

Plötzlich ging es schnell auf dem Hypothekarmarkt. Der jüngste Ausverkauf bei den Staatsobligationen, deren Rendite ein Gradmesser für langlaufende Hypotheken sind, spielte den Banken in die Hände. Sie erhöhten ihre Konditionen für Festhypotheken nach oben.

Sowohl die über fünf wie auch die über zehn Jahre laufenden Kredite wurden überdurchschnittlich teurer, wie Daten des Hypothekenvermittlers Moneypark zeigen. Die beiden beliebtesten Laufzeiten bei Schweizern sind inzwischen wieder so teuer wie vor einem Jahr. Für eine zehnjährige Festhypothek zahlen Wohneigentumbesitzer damit wieder fast 2 Prozent. Experten gehen davon aus, dass sich  dieses Niveau mittelfristig halten wird.

Für kurze Zeit unter 1 Prozent

Damit endet eine aussergewöhnliche Tiefzinsphase bei den Hypothekarzinsen, welche die Konditionen für zehnjährige Kredite deutlich unter 2 Prozent und in der ersten Januar-Hälfte je nach Anbieter gar unter die 1-Prozent-Schwelle gedrückt hatten. Online-Hypothekenanbieter Homegate bot damals für kurze Zeit die 10-Jahres-Hypothek für 0,74 Prozent an.

Heute verlangt Homegate für das gleiche Produkt 1,65 Prozent - also mehr als doppelt so viel.  Auch andere Anbieter haben seit Januar ihre Zinssätze sukzessive auf gut das Doppelte erhöht.  «Solche Zinsschwankungen auf dem Hypothekarmarkt sind sehr aussergewöhnlich», kommentiert Moneypark-Chef Stefan Heitmann diese Entwicklung.

Der «Eidgenoss» rentiert derzeit wieder mit 0 Prozent

Die jüngste Anhebung der Hypothekarzinsen erfolgte zeitgleich mit den Verwerfungen auf den Obligationenmärkten. Ein Ausverkauf bei Staatsanleihen führte dazu, dass insbesondere die Renditen von deutschen und schweizerischen Bundesobligationen so heftig wie kaum jemals zuvor in die Höhe kletterten. Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen sind in der Regel massgebend für die Konditionen von gleich lang laufenden Immobilienkrediten.

Doch dieses Mal können die Obligationenrenditen nicht als einziger Grund für diese Entwicklung herhalten. Denn trotz des jüngsten Ausreissers nach oben rentiert der «Eidgenoss» derzeit wieder mit 0 Prozent. Im Vergleich dazu: Als die zehnjährigen Festhypotheken im Sommer 2014 letztmals zu 2 Prozent verzinst wurden, lag die Rendite einer zehnjährigen Bundesobligation bei 0,40 Prozent - also deutlich höher als heute.

Die Banken geben die Kosten weiter

Heitmann hat dafür eine Erklärung: «Die Banken haben bei ihrem Einlagengeschäft zum Teil massive Einbussen erlitten, da sie auf einen Teil ihrer Sichtguthaben bei der Nationalbank negative Zinsen bezahlen müssen. Diese Kosten geben sie nun an ihre Kunden weiter.» Zu den Leidtragenden gehören vor allem die Hypothekarkreditnehmer, da Banken die Zinsen für Sparguthaben bei nahe null Prozent belassen.

Heitmann geht deshalb davon aus, dass die im vergangenen Winter erreichten Tiefstwerte bei den Hypo-Zinsen nicht mehr erreicht werden. «Es ist aktuell das Ende der sehr tiefen Hypothekar-Konditionen. Viele, wenn auch noch nicht alle Banken haben den Schritt der Preiserhöhung vollzogen», sagt Heitmann.

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