Viele Wohnungssuchende sind der politischen Debatten überdrüssig: In den Köpfen hat sich das Bild verfestigt, dass es in Zürich, Genf oder Lausanne einem wie ein Lotto-Sechser vorkommen muss, wenn man eine halbwegs bezahlbare Wohnung findet. Die Zahlen, die der Schweizerische Verband der Immobilienwirtschaft (Svit) vorlegt, stehen im Kontrast zu bisher zitierten Marktdaten.

Gemäss amtlicher Zählung standen zum Beispiel in Zürich am Stichtag 1. Juni 2014 lediglich 471 Wohnungen leer. Das entspricht einer Leerstandsziffer von 0,2 Prozent – gemessen an den Tausenden von Interessenten, die in Zürich umziehen oder in die Limmatstadt ziehen wollen, also praktisch Null. 

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Viel mehr Wohnungen auf dem Markt

Peter Ilg, Leiter des Swiss Real Estate Institute an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, liefert mit seiner neuen Studie ganz anderes Grundlagenmaterial: «Wir wissen, dass zum gleichen Zeitpunkt über 1200 Mietwohnungen auf dem freien Markt der Online-Portale inseriert waren.» Das Institut von Ilg hat im Auftrag des Svit die Online-Angebote in sieben Schweizer Städten ausgewertet.

Die Zahlen für das Halbjahr vom 1. April bis zum 30. September 2014 zeigen, dass sehr viel mehr Wohnungen auf dem Markt sind als man in der Öffentlichkeit bisher glauben will. In den sieben Städten Zürich, Basel, Genf, Lausanne, Bern, St. Gallen und Lugano waren in diesen sechs Monaten rund 23 500 Mietwohnungen auf Online-Portalen ausgeschrieben.

Anzahl der Wohnungswechsel überraschend gross

In Zürich zählte man rund 7900 Wohnungen. In den meisten Städten waren im Vergleich zur Vorperiode mehr Wohnungen ausgeschrieben, zugleich hat sich die durchschnittliche Insertionsdauer verkürzt – was auf eine gewisse Verknappung schliessen lässt. In Zürich, Basel, Genf, Lausanne oder Bern sind Wohnungen durchschnittlich etwa 13 bis 17 Tage auf dem Markt. Sehr teure, grosse Wohnungen müssen deutlich länger inseriert werden.

«Die extrem tiefen offiziellen Leerwohnungsziffern sind für viele Leute Anlass zu grosser Besorgnis, weil sie fürchten, kein Dach über dem Kopf mehr zu finden, falls sie ihr Zuhause verlieren würden», so Experte Ilg. Tatsache ist aber, dass laufend eine grössere Zahl von Wohnungen auf den Markt kommt und die Anzahl Wohnungswechsel sogar auf dem Zürcher Mietwohnungsmarkt überraschend gross ist. 

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